Plattdeutsch

Die plattdeutsche Sprache

Wie vielen anderen Minderheitensprachen geht es dem Plattdeutschen nicht gut. Der Assimilationsdruck durch das Hochdeutsche hält schon viele Jahrhunderte an. Als mein Vater noch Kind war, in den Zwanzigerjahren des letzen Jahrhunderts, haben die Kinder in Hamburg auf der Straße noch platt miteinander gesprochen. Genauer gesagt: die Jungs sprachen Platt. Den Mädchen war dies schon nicht mehr fein genug, sie sprachen Hochdeutsch. Heute hat sich die Lage noch weiter verschärft. Es gibt kaum noch Kinder, die zu Hause Plattdeutsch lernen können. Auch mein Vater hat es mich nicht mehr gelehrt.

Dies ist ein großer kultureller Verlust. Die eigene Sprache ist ein großer Wert, den es zu erhalten gilt.

Kann man eine Sprache wiederbeleben?

Auch wenn es für das Plattdeutsche nicht gut steht, so ist die Lage nicht hoffnungslos. Sprachen kann man wiederbeleben. Dies ist sogar dann noch möglich, wenn die Sprache komplett ausgestorben ist. 1974 starb mit Ned Maddrell die Sprache Manx, die Sprache der Insel Man. Er war der letzte Sprecher, der diese Sprache als Kind gelernt hatte, und er war noch nicht einmal Muttersprachler gewesen. Die Sprache war aber gut dokumentiert. In den 50er Jahren wurden die letzten 20 Muttersprachler aufgesucht, die Sprache wurde auf Tonband aufgezeichnet. Außerdem hatte die Sprache eine lange Tradition als Schriftsprache. Eine Handvoll Sprachaktivisten hat sich dann um diese Sprache gekümmert. Mittlerweile gibt es wieder über 1600 Menschen (von 80000 Einwohnern der Insel), die die Sprache zumindest ein Stück weit beherrschen. Und mittlerweile gibt es auch wieder die ersten Muttersprachler. Da sollte es uns soch wohl gelingen, aus dem Plattdeutschen wieder eine Sprache zu machen, die allgemein gebraucht wird, eine Sprache, die wir unseren Kindern beibringen und die auch an der Schule verwendet wird. Und ich möchte meinen Teil dazu beitragen.

Was kann man für die plattdeutsche Sprache tun

Das erste, was man tun kann ist: selbst diese Sprache selbst wieder erlernen. Dazu gehören (wie bei allen Sprachen) vier Fertigkeiten.

  • Lesen: es gibt eine große Zahl von plattdeutschen Büchern, oder wie wäre es damit, in der plattdeutschen Wikipedia zu schmökern?
  • Hören: der NDR und Radio Bremen senden morgens plattdeutsche Nachrichten. Seit einiger Zeit gibt es diese Sendungen auch als Podcast zum Herunterladen. Das hilft, wenn man gerade dann, wenn diese Sendungen ausgestrahlt werden, keine Zeit hat und man kann sie mehrfach hören. Ich habe ein Autoradio, das MP3-Dateien vom USB-Stick abspielen kann. Ich nehme mir die plattdeutschen Nachrichten mit und kann sie auf dem Weg zur Arbeit nachhören.
  • Sprechen: auch das braucht Übung. Dabei merkt man, wie viele Wörter man nicht sicher kennt. Aber die Übung lohnt sich.
  • Schreiben: Auch das ist wichtig. Heutzutage läuft Kommunikation oft schriftlich und es lohnt sich, platt auch schreiben zu können. Auch das geht nicht ohne Übung

Meine Baustellen

Ich setze mich in den folgenden Bereichen für die plattdeutsche Sprache ein.

  • die plattdeutsche Wikipedia. Sie nähert sich dem 4000. Artikel und ist damit inzwischen eine der umfangreichsten plattdeutschen Websites im Internet. Bisher arbeitet nur eine Handvoll Schreiber an dieser Wikipedia mit. Jede Hilfe ist willkommen.
  • KDE op Platt: KDE ist eine grafische Oberfläche für das Betriebssystem Linux, sozusagen das, was Windows für Linux. KDE lässt sich mit wenig technischem Aufwand und mit viel Fleiß in jede beliebige Sprache übersetzen. In einem kleinen Übersetzerteam haben wir die wichtigsten Teile von KDE übersetzt.
  • aspell op Platt: aspell ist eine Rechtschreibprüfung für Linux. Im Zuge der Übersetzungsarbeiten von KDE op Platt haben wir eine Sprachdatei für Plattdeutsch erstellt, um unsere Übersetzungen auf Konsistenz prüfen zu können.

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