Manx und Kornisch – zwei Erfolgsgeschichten

Kann man eine Sprache wiederbeleben?

Um das Plattdeutsche steht es nicht zum besten und die Totenglocken für diese Sprache wurden schon oft geläutet. Ist es schon zu spät, diese schöne Sprache zu retten?

Nein, natürlich ist es nicht zu spät. Es gibt immer noch Muttersprachler, viele Menschen können es zumindest einigermaßen verstehen, es gibt eine reichhaltige Literatur und die Sprache ist gut dokumentiert. Aber was wäre, wenn die letzten Muttersprachler schon gestorben wären? Wäre es dann zu spät?

Andere Sprachen waren schon einmal so weit heruntergekommen: der letzte bekannte Muttersprachler war gestorben. Ist es dann zu spät? Nicht unbedingt. Manx, die Sprache der Insel “Man” (liegt zwischen Großbritannien und Irland) sowie Kornisch, die Sprache Cornwalls waren “ausgestorben”. Die letzten Muttersprachler waren gestorben. Wie ging es weiter?

Fallbeispiel Manx

Manx ist die einheimische Sprache der Isle of Man, einer Insel in der irischen See zwischen Großbritannien und Irland. Die Insel hat etwa 75.000 Einwohner. Mit der Annektierung durch Großbritannien im Jahre 1765 begann ein starker sprachlicher Assimilierungsdruck. Bei einer Volkszählung im Jahre 1901 gaben nur noch 9,1% der Einwohner an, diese Sprache zu beherrschen, die meisten von ihnen waren alt. 1946 waren nur noch 20 Muttersprachler bekannt. Man fertigte Tonaufnahmen an, um die Sprache zu dokumentieren. 1974 verstarb Ned Madrell, der letze Sprecher dieser Sprache, der sie noch in seiner Kindheit gelernt hatte. (Und er war noch nicht einmal Muttersprachler gewesen!)

Zu dieser Zeit gab es aber schon einige Sprachenthusisten, die sich zum Ziel gesetzt hatten, Manx erneut zum Leben zu erwecken. Einer von ihnen war Brian Stowell, der erst zu Studienzeiten lernte, die Sprache fließend zu sprechen. Er war es dann auch, der die Tonbandaufnahmen der letzten Muttersprachler durchführte.

Wie ging es weiter: auch andere Einwohner der Insel setzten sich hin und lernten die Sprache. Einige von ihnen zogen sogar ihre Kinder mit Manx als erster Sprache auf. Und so gibt es heute wieder Menschen, deren Muttersprache Manx ist.

Die aktuellen Zahlen von 2001: 56 Muttersprachler und 1689 Zweitsprachler, zusammen 2,2% der Inselbewohner.

Mittlerweile steht Manx unter dem Schutz der EU-Sprachencharta für Minderheits- und Regionalsprachen. Es gibt Kindergärten, die die Kinder einsprachig auf Manx erziehen, Manx wird an der Schule angeboten, es gibt sogar eine Grundschule, die nur auf Manx unterrichtet.

Fallbeispiel Kornisch

Bei Manx war es schon knapp. Bei Kornisch sah es noch düsterer aus. Kornisch ist die einheimische Sprache von Cornwall, einer Halbinsel im Südwesten Englands. Nach der Eroberung Cornwalls durch die Angelsachsen kam die Sprache immer stärker unter Druck. Im Laufe der Jahrhunderte verschob sich die Sprachgrenze immer weiter in den äußersten Südwesten der Halbinsel.

Als letzte Muttersprachlerin wird oft Dolly Pentreath genannt, die im Jahre 1777 verstarb. Allerdings fanden sich auch nach ihr noch Menschen, die Kornisch zumindest noch ein wenig konnten. Namentlich bekannt sind John Davey (gestorben 1890) und Alison Treganning (gestorben 1906). Zu dieser Zeit hatte schon eine Bewegung eingesetzt, die sich zum Ziel gesetzt hatte, die kornische Sprache wiederzubeleben. Letzte Reste der Sprache wurden dokumentiert, alte kornische Texte wurden ausgewertet. Treibende Kraft der Sprachbewegung war Henry Janner (1848-1934), der 1904 das Buch “Handbook of the Cornish Language” veröffentlichte.

Mittlerweile gibt es mindestens 250 Sprecher, die die Sprache fließend beherrschen und etwa 3000, die zumindest grundlegende Kenntnisse haben. Auch Kornisch steht (wie Manx) mittlerweile unter dem Schutz der EU-Sprachencharta für Minderheits- und Regionalsprachen. Die regionale Verwaltung steht hinter der Sprache, sie hat mit dem Sprachverbänden ein gemeinsames Strategiepapier entwickelt. Seit kurzem gibt es das Neue Testament auf Kornich. Der BBC erstellt einmal in der Woche eine 5-minütige Nachrichtensendung auf Kornisch. Die Sprache hat ihre schwerste Krise mittlerweile hinter sich und die Zukunftsaussichten sind gut.

Was folgt daraus für das Plattdeutsche?

Zunächst einmal bedeutet das, dass man Plattdeutsch noch retten könnte, selbst wenn es noch schlechter um diese Sprache stünde. Selbst nach dem Tod des letzten Muttersprachlers wäre es nicht zu spät, insbesondere deshalb, weil Plattdeutsch im Vergleich zu Manx und Kornisch deutlich besser dokumentiert ist. Es gibt tausende von Büchern, darunter diverse Bibelübersetzungen, es gibt Lexika, es gibt Tonbeispiele, Fernsehaufnahmen. Es ist alles da, was man braucht, um die plattdeutsche Sprache zu lernen. Was vielleicht noch fehlt, ist ein gerüttelt Maß Enthusiasmus, sich für diese Sprache einzusetzen.

Es würde sich sicherlich auch lohnen, die Erfolgsgeschichten von Manx und Kornisch sorgfältig auszuwerten, um daraus so viel wie möglich fürs Plattdeutsche zu lernen.

Mich jedenfalls hat das Beispiel dieser beiden Sprachen enorm ermutigt.

Ein Gedanke zu “Manx und Kornisch – zwei Erfolgsgeschichten

  1. Die Geschichte Manxes daoben ist wirklich nett, und auch auf meiner Meinungs hilfreich zum Platt gemeinsam Ueberlebens jetzt ware. Wir hier in Ohio einen kleinen Plattliteratur Bibliothek ** angestarttet (gegruenden) haben, und so ist es Nagelneu. Die Sprache im Nordwesten Ohio noch gesprochen ist, am meistens die dort Muensterlandern sind. Kleinere Orten New Knoxville, Minster, New Bremen, die Leute ihre von Auswanderungszeit frueh 19er jahrunderts stammen, und die Sprache auch beim wissenschaftslinguistikern studiert geworden war . Schreiben Sie mich weiter wenn Sie vielleicht Fragen haben duerften.

    edward

    **”Ohio Library of Plattduutsch Liwwat Boke” , heisst es. Im Vorort von Columbus (Haupstadt des Staates)

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