Ein Ergebnis meiner Zeit in der PBC ist, dass ich mich sehr viel mit Israel beschäftigen musste und mit dem sogenannten “christlichen Zionismus”. Vieles, was ich in dieser Zeit erfahren habe, wusste ich vorher nicht und mir war es wichtig, das aufzuschreiben und auch andere an dem Licht und auch dem Schatten teilhaben zu lassen, den ich dort gefunden habe.
Israel und der Nahostkonflikt ist ein komplexes Thema, politisch, geschichtlich und auch theologisch. Es ist schwierig, über dieses Themengebiet in einem angemessenen Umfang zu schreiben. Ich will mich an dieser Stelle beschränken, und zwar darauf, wie fundamentalistische Christen mit diesem Thema umgehen, auf den sogenannten “christlichen Zionismus”. Ich verwende den Begriff Fundamentalismus nicht oft, aber hier ist er angemessen, und für mich hat dieser Begriff hier einen negativen Beiklang.
Doch der Reihe nach:
Im Herbst 2008 wurde ich Beisitzer im Bundesvorstand der “Partei Bibeltreuer Christen”. Ende Dezember 2008 kam es zum Gazakrieg zwischen Israel und der Hamas, zur “Operation Gegossenes Blei”. Der PBC ist es wichtig, stets uneingeschränkt zu Israel zu stehen und so wollte Die PBC zu diesem Krieg stellung nehmen.
Nun bin ich grundsätzlich für den Staat Israel. Ich finde es gut und richtig, dass es ihn gibt. Ich will auch, dass er bleibt und dass alle Menschen im Nahen Osten in Sicherheit leben.
Was ich nur merkwürdig fand, war dieser Krieg, wie der Waffenstillstand erodierte, wie die Kämpfe zunahmen und wie es dann zu einer meiner Meinung nach überzogenen Militäraktion der Israelis kam. Die Fundis im Bundesvorstand wollten nun den Israelis die uneingeschränkte Solidarität für diesen Krieg aussprechen. Ich fand das sehr merkwürdig, denn nach den Worten Jesu in der Bergpredigt sollen Christen Friedensstifter sein. Wie man diesen Auftrag dadurch erfüllen will, dass man bei einem Waffengang Beifall klatscht, erschließt sich mir bis heute nicht.
Auf meine im kleinen Kreis des Bundesvorstands geäußerten Bedenken hin, wurde ich von den Fundis im Bundesvorstand zu einem “Feind Israels” erklärt und von da an bekämpft. Ich habe es vorher noch nie erlebt, wie persönlich verletzend und richtend manche Christen sein können. Wer nicht alles genauso sieht hat wie sie, der wird bekämpft. Eine sachliche Diskussion fand nicht statt, sie war geradezu unmöglich.
Im Verlauf der folgenden Monate, in denen es im Nahen Osten immer wieder kriselte, hatte ich viel Gelegenheit, mich mit Israel zu beschäftigen, mit den politischen, geschichtlichen, menschlichen und theologischen Aspekten des Nahen Ostens. Von dem, was ich dabei herausgefunden habe, und was ich mit den “christlichen Zionisten” erlebt habe, soll hier die Rede sein.
(wird fortgesetzt)