Die PBC versteht sich explizit als die Partei der “bibeltreuen Christen”. Früher hielt ich diesen Namen zwar für sperrig aber angemessen. Heute halte ich diesen Namen für verfehlt.
Ich habe aus einer Fülle von Gesprächen und Mails gelernt, dass nicht nur viele Nichtchristen sondern auch viele Christen diesen Begriff als arrogant und anmaßend empfinden. Er entstammt einem fundamentalistischen Slang, der nur von einem Teil der Christen in Deutschland gesprochen wird. Meine Kirche verwendet ihn z.B nicht. Auch wenn wir Adventisten auf die Bibel allergrößten Wert legen, so ist “bibeltreu” ein Begriff, der bei uns nicht kursiert. Wir sind es, aber wir nennen uns nicht so, insbesondere nicht gegenüber anderen Konfessionen.
Natürlich ist die Bibel verbindlicher Maßstab für den christlichen Glauben und für christliche Politik. Gleichzeitig ist die Bibel aber kein Selbstzweck, denn Jesus sagt in Joh 5,39+40:
Ihr erforscht die Schriften, denn ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben, und sie sind es, die von mir zeugen; und ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr Leben habt.
Ich habe im Laufe der Jahre, insbesondere aus den Auseinandersetzungen mit den Traditionalisten in der PBC erfahren, dass “bibeltreu” in erster Linie ein Kampfbegriff ist, und zwar einer der nicht gegenüber Nichtchristen gebraucht wird, sondern vielmehr gegenüber Christen anderer Konfessionen denen es auch um ihren Glauben ernst ist, denen man aber abspricht, “bibeltreu” zu sein, und denen man damit das Etikett anhängt, in Wahrheit ein Irrgläubiger zu sein.
eine unerwartete Mail
Wesentlichen Anteil an meiner jetzigen Bewertung hatte die Mail einer jungen Christin. Sie schrieb, dass sie vor einiger Zeit zum Glauben an Jesus gekommen war, dass sie sich für Politik interessiere, dass sie aber nicht wüsste, ob sie schon fromm genug für die Mitarbeit in der PBC wäre.
Diese Mail hat mich tief getroffen. Der ganzen Mail konnte man entnehmen, dass diese junge Frau Jesus von ganzem Herzen liebte und dass es ihr ernst war mit der christlichen Nachfolge. Und jedem jungen Christen geht es so, dass er oder sie dabei auch ihre eigene Begrenztheit erfährt, denn Jesus ist ja in die Welt gekommen, um Sünder zu retten. Und genau so jemanden grenzten wir nun durch unseren Parteinamen aus.
Bibel als Steinbruch
Gleichzeitig gab es innerhalb der PBC einige Christen in Führungspositionen, die mit dem Brustton der Überzeugung ihre eigenen Überzeugungen für das Maß aller Dinge hielten und ihre “Bibeltreue” innerhalb der Partei (!!!) als Waffe gegen Parteikollegen einsetzten, die anderer Meinung waren. Für sie war ein Thema mit ein paar Bibelbrocken abgeschlossen. Mit diesen Leute war weder eine Sachdiskussion über politische Fragen möglich, noch eine theologische Diskussion darüber was die ganze Schrift zu einem Thema sagte, geschweige denn eine Analyse, wie ihre Bibelbrocken im Kontext der Bibel richtig auszulegen sind. Wer mit ihnen nicht in allem 100%ig übereinstimmte, dem sprachen sie die Rechtgläubigkeit ab.
Zusammengenommen schließe ich aus diesen beiden Faktoren, dass die Selbstbezeichnung “Partei Bibeltreuer Christen” gute, fähige Christen von der Mitarbeit ausschließt und stattdessen Christen geradezu anzieht, die in einer überkonfessionellen Partei fehl am Platze sind, denn dazu gehört ja ganz unbedingt die Bereitschaft und die Fähigkeit, auch über den eigenen konfessionellen und politischen Tellerrand hinausblicken zu können.
mangelnde theologische Arbeit
Neben diesem recht offensichtlichen Missbrauch der Bibel bei einigen der Mitglieder mangelte es innerhalb der PBC meiner Meinung nach insgesamt an theologischer Arbeit. Selbst im Bundesvorstand kam eine Diskussion über das Programm kaum vor. Sorgfältige Bibelauslegung zu politischen Themen gab es praktisch nie. Dabei wäre diese dringend nötig, denn viele Herausforderungen der modernen Welt gab es zu Zeiten der Bibel nicht und die Bibel enthält zu diesen oftmals keine direkten Aussagen. Um mal ein paar Reizworte zu nennen: Kernenergie, Massenvernichtungswaffen im Iran, Einmarsch in Libyen, Solarförderung, Massenarbeitslosigkeit, Höhe von Hartz-IV, Gentechnik, Volksentscheide, Globalisierung. Zu all diesen wichtigen Fragen kann man sicherlich biblische Prinzipien finden, die einem weiterhelfen, hier christliche Standpunkte zu entwickeln, aber keine dieser Fragen ist mit einem einzelnen Bibelvers abschließend eindeutig zu beantworten.
Solange unter den politisch aktiven Christen in Deutschland keine ausreichende, fundierte, theologische und politische Sacharbeit geleistet wird, kann man höchstens vermuten oder bestenfalls hoffen, dass die eigenen Standpunkte hier mit der Schrift im Einklang sind und damit das “Prädikat bibeltreu” verdienen. Wirklich wissen kann man es bis dahin nicht. Ohne so eine Sicherheit sollte man sich aber nicht hinstellen und behaupten die PBC hätte das bibeltreue Programm schlechthin, was ja auch impliziert, dass die anderen Christen außerhalb der PBC es nicht hätten.
Welcher Name ist zukunftsfähig?
Dass die Eigenbezeichnung “bibeltreu” ausgrenzt, ist nicht nur mir aufgefallen. Vor einiger Zeit fand ich einen Text auf der Webseite der AUF-Partei, in dem ein katholischer Journalist darlegte, dass er sich als Katholik in der AUF willkommen fühlte, während er sich zuvor von der PBC als Katholik ausgegrenzt fühlte, und er machte deutlich, dass dies auch anderen Katholiken so gehe.
Eine politisch erfolgreiche christliche Partei braucht aber einen breiten überkonfessionellen Schulterschluss, dafür braucht man einen integrativen Namen und keinen trennenden. Für erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit ist der Name “Partei Bibeltreuer Christen” daher verbrannt. Nun gibt es ja zur Zeit Gespräche zwischen AUF und PBC über eine Fusion. Eine Fusion ist aber eine Gelegenheit, sich ohne Gesichtsverlust einen neuen Namen zuzulegen. Ich meine, die PBC sollte diese Chance nutzen, sich von dieser Gründungslast zu trennen.