Fundis

Wie kommt es, dass die PBC 22 Jahren nach ihrer Gründung immer noch so erfolglos ist? Warum treten die Christen nicht in Scharen in die PBC ein?
Ich sehe eine wesentliche Ursache in einem politischen und geistlichen Fundamentalismus, der die PBC lange geprägt hat. Viele Christen wurden damit abgeschreckt. Sie wählten die PBC nicht und sie traten auch nicht bei.
Zwei Beispiele möchte ich nennen:

Beispiel 1: Selbsteinschätzung
Die PBC hat über sich gesagt:

Die Partei Bibeltreuer Christen – PBC – ist das politische Sprachrohr der Christen aus allen Kirchen, die für eine gesellschaftliche Wende durch Besinnung auf bewährte biblische Grundsätze eintreten.

Dieser Text wurde von der PBC wiederholt verwendet, z.B. auf ihrer Webseite www.pbc.de oder auch in einer gemeinsamen Presseerklärung von PBC und Zentrumspartei, in der diese 2008 die Gründung der AUF-Partei kritisierten.

Ist das wirklich so? Ist diese Einschätzung realistisch Die Deutsche Evangelische Allianz vertritt nach eigenen Angaben 1,3 Mio Mitglieder. Die PBC erreichte bei der Europawahl 2009 nur 80688 Stimmen. Selbst wenn die alle aus dem Bereich der DEA kämen (es gibt ja auch außerhalb der DEA Christen), dann wäre das nur ein Anteil von 6%. Noch einmal: in ihrer direkten Zielgruppe, den evangelikalen Christen, kommt die PBC höchstens auf 6 Prozent der Stimmen. Man kann also ganz klar feststellen: “die Christen” betrachten die PBC NICHT als ihr Sprachrohr.

Beispiel 2: Landesverband Baden-Württemberg
Aus dem Landesverband Baden-Württemberg kamen mehrere Funktionsträger, die zum fundamentalistischen Spektrum gehörten. Einer von ihnen, zeitweilig Mitglied des Bundesvorstands schrieb einen Text mit dem Titel

Warum wiedergeborene Christen sich politisch engagieren sollen. Eine Predigt von Manfred Schurr, Ältester der Gemeinde “Alles für Jesus”.

Dieser Text steht seit mehreren Jahre auf der Webseite des Landesverbands Baden-Württemberg im Downloadbereich:
Am Rande bemerkt: Predigten gehören in den Gottesdienst. Im Bereich der Politik hält man Reden oder Vorträge. Aber schauen wir mal rein, was Bruder Schurr zu sagen hat. Am 17. September 2005, einen Tag vor der Bundestagswahl hielt er in seiner freikirchlichen Kirchengemeinde mit dem Namen “alles für Jesus” eine Predigt, die in folgender Feststellung gipfelte:

In einem Land, in dem ich das Recht zu wählen habe, mache ich mich schuldig, wenn ich die in der PBC politisch wirksamen Brüder, die sich mit einem klaren Bekenntnis zu Jesus und seinem Wort zur Wahl stellen, nicht wähle. Denn ich sage damit “Nein” zu meinen Brüdern, aber “Ja” zu dem Gottlosen, der über mich gesetzt wird. Und genau das dürfen wir gemä߁ Gottes Wort nicht. Denn es sollen Menschen aus der Mitte unserer Brüder sein, die wir über uns setzen.

Das war keine Wahlempfehlung, das war auch keine Wahlbitte, das war eine klare Ansage: wer als Christ nicht die PBC wählt, der macht sich schuldig. Ich empfinde die Überheblichkeit, die sich in dieser Aussage findet, als abstoßend. Dass es auch andere christliche Parteien geben könnte, ist für die Fundamentalisten innerhalb der PBC schlichtweg nicht vorstellbar. Auch sie müssten doch anerkennen, dass es auch in anderen Parteien Christen gibt, die sich öffentlich zu ihrem Glauben bekennen. Man muss es schon beim Namen nennen: für die CDU sitzen derzeit erheblich mehr gläubige Christen im Bundestag als für die PBC, für die PBC sind es derzeit nämlich genau null. Das gleiche gilt auch für SPD, FDP und die Grünen. Wer Christen in den Bundestag wählen will, ist damit bei den anderen Parteien derzeit erfolgreicher aufgehoben, denn es ist nicht in Sicht, dass die PBC die 5%-Hürde bei der Bundestagswahl überspringt.
Zu all diesen anderen Parteien kann man viel sagen, an jeder dieser Parteien kann man zu Recht Kritik üben. Wichtig ist aber dies: Man kann unterm Strich als Christ zu dem Schluss kommen, sich für die PBC zu engagieren, ABER MAN MUSS ES NICHT: So viel Gewissen muss man den Christen in Deutschland zugestehen.

Ich möchte hier ausdrücklich feststellen, dass diese Haltung, die ich hier kritisiere, vor allem im Dunstkreis von Gerhard Heinzmann verbreitet ist und dass der Bundesvorstand, dem ich als Generalsekretär angehört habe, diese Auffassung nicht vertrat. Wie ich in meiner Rücktrittserklärung dargelegt habe, war es speziell der Landesvorstand Baden-Württemberg, der sich hier gegen jegliche Modernisierung sperrt.

Ich hätte mir gewünscht, dass der Bundesvorstand das Rückgrat aufbringt, klar zu sagen, wie sich die PBC positionieren will. Die Grundfrage, die sich stellt, ist ob die PBC fundamentalistisch sein will oder überkonfessionell. Eine klare Antwort darauf bleibt die PBC schuldig, einer klaren Positionierung gegen den Fundamentalismus in den eigenen Reihen ist sie immer wieder ausgewichen.

Zukünftige Entwicklung?
Nun hat es in der PBC Ende 2011 personelle Bewegung gegeben, mehrere der Fundis haben die PBC verlassen. Ich hoffe, dass sich die Realos in der Partei nun endlich durchsetzen, denn erst dann könnte die PBC eine breite Unterstützung unter den Christen finden.

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