Ein wichtiger Grund für die Schwäche der PBC ist ihre Mitgliederzahl und ihre Mitgliederstruktur. Sie hat zu wenig Mitglieder und von diesen wenigen engagieren sich auch zu wenig.
Wie groß müsste die PBC sein?
Fangen wir mit ein wenig Mathematik an. Wie viele Mitglieder bräuchte eine erfolgreiche christliche Partei? Ziel müsste dann ja sein, in allen Gemeinden im Land präsent zu sein, um in allen Gemeinden an den Kommunalwahlen teilnehmen zu können. (Zur Erinnerung: bei den Kommunalwahlen gibt es keine 5%-Hürde, bei Kommunalwahlen könnte man in großer Zahl Mandate gewinnen, die ÖDP verfügt z.B. über mehr als 300 Mandate!)
Die benötigte Mitgliederzahl lässt sich einfach hochrechnen: Mal angenommen man hätte im Durchschnitt in einer Stadt von 20.000 Einwohnern 10 Mitglieder (was schon wenig ist, denn in einem Dorf von 2000 Einwohnern hätte man dann nur ein Mitglied, was offensichtlich nicht reicht), dann bräuchte man in ganz Deutschland mit seinen rund 80 Mio. Einwohnern 4000x so viel, also 40.000 Mitglieder. So wundert es nicht, dass die kleinste der „etablierten Parteien“ mit flächendeckenden Erfolgen, die Grünen, immerhin fast 60.000 Mitglieder haben.
Betrachten wir nun die Hauptzielgruppe der PBC, die evangelikalen Christen und ihre Sympathisanten. Die Evangelische Allianz vertritt nach eigenen Angaben rund 1,3 Millionen Christen. Wenn wir das für die Sympathisanten auf die 2 Mio aufrunden, dann müsste einer von 50 Mitglied in der PBC sein. Das ist eigentlich nicht zu viel verlangt. Im Vergleich zu dieser Sollgröße ist die PBC immer weit hinter dem Notwendigen zurückgeblieben. Die einfache Tatsache, dass die PBC davon weit entfernt ist, zeigt, dass sie selbst in der christlichen Szene praktisch keinen Rückhalt hat.
die offizielle Mitgliederzahl
Als Mitgliederzahl gibt die PBC in ihrem aktuellen Infoflyer 3500 an.Trifft das zu? Im Internet bin ich vor einigen Jahren über folgenden Text gestolpert, in dem der evangelikale Theologe Thomas Schirrmacher zur PBC befragt wird. Er wurde ursprünglich im Jahre 2002 von idea veröffentlicht. Es heißt dort:
Anfragen hat er auch an die Seriosität der Kleinpartei. So bezweifelt er die Mitgliederzahlen. “Man hat wahrscheinlich nur die Eintritte, aber nicht alle Austritte registriert”, lautet seine Beobachtung – ein Vorwurf, den der PBC-Vorsitzende Heinzmann gegenüber idea als “unwahr” zurückweist. Schirrmacher hat die Partei 1997 verlassen, ist inzwischen wieder CDU-Mitglied und verspricht sich mehr davon, in der Volkspartei Einfluss auszuüben.
Wer hat nun recht? So einfach von der Hand zu weisen ist der Vorwurf nicht. Ich habe in meiner Zeit als stv. PBC-Landesvorsitzender in Hamburg bei einigen Mitgliedern telefonisch nachgefragt und zu hören bekommen: “Ich bin doch schon lange nicht mehr dabei”. Ich gehe aber davon aus, dass hier kein Vorsatz vorliegt sondern einfach Schlamperei. Es kommt vor, dass Mitglieder nach unbekannt verziehen und es kommt auch vor, dass Mitglieder einfach ihre Mitgliedsbeiträge nicht mehr bezahlen. Meiner Meinung nach machen diese Mitglieder damit deutlich, dass ihnen an einer Mitgliedschaft in der PBC nicht mehr liegt, und zwar so wenig, dass sie es noch nicht einmal für nötig halten, sich ordentlich abzumelden, Man sollte sie daher auch nicht als Mitglieder zählen.
So sieht das auch die Satzung der PBC (§3 Abs 4), nach der Mitglieder verpflichtet sind, den jährlichen Mitgliedsbeitrag zu entrichten. Auf Antrag ist es möglich, sich davon befreien zu lassen (z.B. Hartz-IV-Empfänger), von dieser Möglichkeit machen aber nur wenige Mitglieder Gebrauch. Nach §4 Abs 6 Satz h ist ein Mitglied auszuschließen, wenn es länger als ein Jahr seinen Beitrag nicht bezahlt und nach expliziter Mahnung auch weiterhin nicht zahlt. Dies wird oft nicht praktiziert. Wer nach unbekannt verzieht oder seinen Mitgliedsbeitrag jahrelang nicht bezahlt, wird in der Regel weiterhin als Mitglied geführt. Die Nacharbeit liegt bei den Landesvorständen, die sich die mühsame Arbeit des Nachhakens oft nicht machen.
Dieses Problem ist dem Bundesvorstand bekannt. Ich selbst habe dies im Bundesvorstand angesprochen. Diskussionen darüber verliefen im Sande. Eine konsequente Bereinigung dieses Problems wurde zu meiner Amtszeit als Generalsekretär nicht beschlossen. Daraus, dass die PBC immer noch dieselbe Mitgliedszahl präsentiert wie zu meinem Austritt, schließe ich, dass sich hier auch seitdem nichts getan hat. Meiner Ansicht nach scheut man sich vor der negativen Öffentlichkeitswirkung so einer Bereinigung, denn wenn man dies täte, so hätte die PBC wohl eine deutlich geringere Mitgliederzahl. Ich schätze sie auf unter 2500. Die PBC erscheint also in der Öffentlichkeit größer als sie de facto ist.
In ihrem Grundsatzprogramm (Abschnitt 5.3) schreibt die PBC:
Die PBC strebt eine offene und ehrliche Politik an, um Skandale, Affären und Bestechungen zu vermeiden.
Ich wünsche mir daher, dass die PBC mit sich selbst so offen und ehrlich ist, dass sie ihre Mitgliederzahl korrigiert.
mangelndes Engagement
Neben der Mitgliederzahl ist für den Erfolg einer Partei aber auch noch wichtig, wie viele ihrer Mitglieder sich tatsächlich engagieren. Auch hier sieht es bei der PBC nicht gut aus. Eine gute Messgröße ist meiner Meinung nach die Teilnahme an den Parteitagen. In Hamburg, wo ich stellvertretender Landesvorstitzender war, hatten wir ca. 50 Mitglieder. Ein Landesparteitag hatte typischerweise unter 10 Teilnehmer. Aber auch in größeren Landesverbänden sieht es nicht viel besser aus. Es kommt (von Baden-Württemberg vielleicht abgesehen) eine familäre Runde zusammen. Und zum Bundesparteitag, zu dem alle Mitglieder eingeladen sind, kommen ca. 100-120 Mitglieder.
Das heißt: zu einem Bundesparteitag der Grünen oder der FDP kommen mehr Delegierte als zu einem Mitgliederparteitag aller Mitglieder der PBC.
schwach besetzte Vorstände
Praktisch jeder, der sich in der PBC engagieren will, könnte Kreisvorsitzender eines PBC-Kreisverbands werden. Die größte Herausforderung, die sich einem dabei stellt, ist, dass man einen Stellvertreter und einen Schatzmeister braucht, denn drei Mitglieder ist die gesetzliche Mindestgröße eines Gebietsvorstands. Kreisvorstände gibt es kaum, stabile noch weniger. Ich habe es mehrfach beobachtet, dass der gesamte Kreisvorstand in sich zusammenfällt, wenn der Kreisvorsitzende das Handtuch wirft.
Kein Landesvorstand hat die maximal mögliche Besetzung. Möglich sind hier bis zu 10 Beisitzer. Dies wird in keinem einzigen Landesvorstand der PBC erreicht. Das heißt: nirgends in der PBC sind so viele Mitglieder bereit eine Funktion zu übernehmen, dass der Parteitag eine echte Auswahl treffen kann. Die einzige Hürde nach der Satzung ist, dass ein Beisitzer von mindestens der Hälfte der Wahlberechtigten bestätigt wird. Dies wird praktisch immer erreicht, denn die Parteitagsteilnehmer sind froh, wenn sich überhaupt jemand findet, der bereit ist, für den Vorstand zu kandidieren.
Wenn man wissen will, wer in der PBC überhaupt aktiv ist, dann kann man sich auf www.pbc.de umschauen. Die meisten aktiven PBC-Mitglieder sind irgendwo in Vorständen aktiv. Auf www.pbc.de und den Webseiten der Landesverbände kann man daher fast alle aktiven PBCler finden. Und wenn man sich da umschaut, dann sind das nicht viele. Die Personaldecke der PBC ist erschreckend dünn.
Fallbeispiel Baden-Württemberg
Selbst der mitgliederstärkste PBC-Landesverband Baden-Württemberg (ca. 1000 Mitglieder) hat nur eine kleine Handvoll aktiver Kreisverbände. Die Landeswebseite http://bw.pbc.de/ listet derzeit (November 2011) nur 8 Kreisverbände, in fünf von diesen ist die Neuwahl des Kreisvorstands überfällig, weil die Amtsperiode von 2 Jahren abgelaufen ist.
Wenn man sich an den Bundestagswahlkreisen orientiert, würde man 38 benötigen. Wenn man nach den Landtagswahlkreisen geht, bräuchte man 70. Es wundert daher nicht, dass die PBC-BW es bei der Landtagswahl 2011 nur in 10 Kreisen geschafft hat, einen Kandidaten aufzustellen. Endsprechend schlecht hat sie in ihrem Stammland abgeschnitten, sie erreichte bei den Landtagswahlen 2011 nach 20 Jahren Parteigeschichte nur 0,1% der Stimmen.
Zahl der Landesverbände
Auch auf Länderebene sieht es nicht gut aus. Im November 2011 hatte die PBC nur bei insgesamt 16 Bundesländern nur 9 Landesvorstände. Auch wenn es allen Bundesländern Mitglieder gibt, so finden sich also in fast der Hälfte unseres Landes kein Mitglieder, die bereit wären, mit ihrem Namen persönlich für die PBC in der Öffentlichkeit einzustehen. Ich finde das zu wenig, insbesondere deshalb, weil es die PBC schon so lange gibt. In vier Bundesländern, Berlin, Brandenburg, Saarland, Sachsen-Anhalt, hat sie sogar noch nie an einer Landtagswahl teilgenommen!!!
Diese Situation ist für die Teilnahme an Wahlen ein massives Problem. Für die Bundestagswahl kann eine Partei in einem Bundesland nur dann kandidieren, wenn sie dort einen Landesverband (oder zumindest einen Kreisverband) vorweisen kann. An der Bundestagswahl 2009 konnte die PBC deshalb in 8 Bundesländern gar nicht teilnehmen. Und in 4 weiteren (Hamburg, Berlin, NRW, Sachsen) scheiterte sie dann noch an mangelnden Unterstützungsunterschriften. Ins Rennen ging die PBC nur in vier Bundesländern (Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bremen). Das Gesamtergebnis von 0,1% war damit vorhersehbar. Die Aussichten auf die Bundestagswahl 2013 sind ähnlich.
Fazit
Die Mitgliederzahlen der PBC sind nicht ausreichend. Besserung ist auch nicht in Sicht. Die Mitgliederzahlen stagnieren schon lange. Wahlen lassen sich damit nicht gewinnen. Offenbar sehen die Christen in Deutschland die PBC nicht als ihre politische Vertretung an. Die Schlussfolgerung daraus darf kein “weiter so” sein.