Die Partei Bibeltreuer Christen ist mir schon früh aufgefallen. Auf dem Kirchentag 1991 im Ruhrgebiet stieß ich auf dem Markt der Möglichkeiten auf einen Stand der „Partei Bibeltreuer Christen“. Das war nur zwei Jahre nach deren Gründung. Ich hatte ein längeres Gespräch mit einem Mann, den ich damals noch nicht kannte, mit Gerhard Heinzmann, dem Gründer der PBC. Ich war damals 22 Jahre alt. Wir hatten eine längere Diskussion über die Frage nach christlicher Politik und dem Konzept einer bibeltreuen Partei. Damals konnte Gerhard Heinzmann mich nicht überzeugen. Sein Auftreten war mir viel zu extrem und ich war mir sicher, dass man mit diesem Ansatz die 5%-Hürde nicht überspringt. Ich verbuchte dies (neben manch anderen Dingen auf dem Markt der Möglichkeiten) als Kuriosum.
Im Laufe der Jahre sah ich in Hamburg vor den Wahlen Plakate der PBC. Diese gefielen mir zum Teil sehr gut. (Andere fand ich aber auch unpassend.) Im Vergleich zu den oft nichtssagenden Plakaten anderer Parteien fand ich es aber wohltuend, dass hier klare Aussagen aus der Bibel wiedergegeben wurden und so konnte ich es mir nach einiger Zeit zumindest prinzipiell vorstellen, die PBC zu wählen, auch wenn meine Stimme sonst in der Regel an die CDU, mal aber auch an die ÖDP oder die SPD ging. Die „etablierten Parteien“ hatten es mit mir aber nach der Bürgerschaftswahl 1997 verdorben. Ich hatte damals die SPD, oder genauer gesagt Henning Voscherau, gewählt. Dieser hatte nämlich versprochen, nicht mit den Grünen zu koalieren. Direkt nach der Wahl trat er zurück. Unter seinem Nachfolger gab es dann rot-grün. Ich fühlte mich verraten und wollte meine Stimme zurück, aber wie?
Bei der Wahl 2004 hatte ich mir auf dem Weg zum Wahllokal überlegt, dass ich PBC wählen wollte, sofern sie auf dem Wahlzettel war, und sie war tatsächlich drauf, was ja nicht immer der Fall war. Am Tag nach der Wahl wollte ich dann wissen, wie viele Stimmen die PBC erreicht hatte, denn im Wahlfernsehen wurden die „sonstigen“ nicht aufgeschlüsselt (sie werden es nie, wohl um sie möglichst klein zu halten…)
Auf der Webseite des statistischen Landesamts wurde ich fündig. Ich entdeckte dabei auch die detaillierten Ergebnisse pro Wahllokal. Dort entdeckte ich dann für die PBC in meinem Wahllokal ganze Null stimmen. Dass meine eine Stimme bei 1,5 Mio Einwohner nicht viel zählte, das war mir klar, dass sie aber gar nichts zählen sollte, fand ich dann doch zu wenig. Da ich die PBC gewählt hatten, konnte das ja nicht angehen. Ich rief beim Landeswahlamt an, was mit meiner Stimme passiert wäre.
Dort sagte man mir zunächst, dass es sich ja erst um das vorläufige Wahlergebnis handele und ob ich nicht das endgültige Wahlergebnis abwarten wollte. Ich antwortete, dass ich die Angelegenheit gerne geklärt sähe, bevor das Ergebnis endgültig würde.
Man fragte mich dann, woher ich wissen wolle, dass meine Stimme nicht gezählt wurde, weil ja die Wahl geheim wäre. Ich fühlte mich an den alten DDR-Witz erinnert, nach dem einem Wähler, der den Wahlzettel mit in die Kabine nehmen wollte gesagt wurde „spinnst du, lass das, die Wahl ist doch gemein“. Ich erklärte, dass ich natürlich die Wahlentscheidungen der anderen Wähler nicht kenne.Wenn ich CDU gewählt hätte, könnte ich das nicht sagen. Aber weil da bei der PBC eine Null steht, könne das nicht angehen. Man fragte mich nach meinem Namen und meiner Telefonnummer und sagte mir zu, der Angelegenheit nachzugehen.
Abends bekam ich einen Anruf vom Wahlamt, ein anderer Mitarbeiter ließ sich den gesamten Sachverhalt noch einmal erklären.
Tags drauf erhielt ich einen weiteren Anruf, nach dem es sich um einen Übertragungsfehler gehandelt habe, und man hätte meine Stimme gefunden. Aus diesem Erlebnis habe ich die Schlussfolgerung gezogen, dass sich niemand anders um meine politischen Interessen kümmern kann als ich selbst. Ich beschloss, selbst politisch aktiv zu werden.