Mathe hilft: Alkohol in der Colaflasche?

Am 27.6.2012 geisterte eine merkwürdige Meldung durch das Internet. Mehrere große Zeitungen berichteten, dass Cola Alkohol enthalte, in kleinen Dosen. Irgendwie passt das zu Cola, die ebenfalls in kleinen Dosen verkauft wird. Nun sind Colagetränke ja nicht dafür berühmt, dass sie besonders gesund wären. Aber was ich da zu lesen vorfand, war schon haarsträubend. Nach längerer Pause wieder Zeit für “Mathe hilft”.

Mathematik hilft auch hier, die Welt besser zu verstehen. Schauen wir zunächst in die Zeitungsberichte: z.B. Welt und FAZ.

Beide berichten von einem französischen Verbraucherinstitut namens INC, welches 19 verschiedene Colagetränke untersucht hat. 10 der Proben enthielten Alkohol “wenngleich in sehr geringen Dosen” und zwar “bis zu 10 Milliliter Alkohol pro Liter”.

Geringe Dosen? Na dann ist ja alles gut… Doch halt! Was ist eigentlich ein Milliliter? Wie viele davon gehen in einen Liter? Wie das Präfix “Milli-” uns schon sagt: 1000. Eintausend Milliliter sind ein Liter.

Eine in Restaurants übliche Abgabegröße von Alkohol sind Dosen (sprich Gläser) von 2 cl (Zentilitern). (z.B. diese Speisekarte einer Restaurantkette) Zwei Zentiliter sind schon 20 Milliliter. Suchen wir uns also einen x-beliebigen Whiskey von der Speisekarte aus, z.B.: Seite 12, Jim Beam White. Wieviel Alkohol hat der? (siehe Wikipedia ) =>; 40%.

Damit enthält die Dosis/das Glas von 2cl=20ml nur 20×0,4ml = 8 ml reinen Alkohol.

Um es noch einmal auf den Punkt zu bringen: die Gazetten des 27.6.2012 wollen mir weismachen, dass Cola pro Liter mehr Alkohol enthalten kann als ein Glas Whiskey im Restaurant. Mit Verlaub, das ist absurd.

Wie kann man das aufklären? Wohl nur mit der Originalquelle.

Mit ein wenig googeln findet man: INC steht für das “Institut national de la consommation” (französische Wikipedia). dessen Webseite ist http://www.conso.net/ Es findet sich dort ein Verweis auf die Juliausgabe von deren Magazin, und das steht hinter einer Bezahlschranke. Dieser Weg stellt sich damit leider als eine Sackgasse heraus.

In diesem Fall greife ich dann doch lieber auf kostenfreie Onlineausgaben der französischen Presse zurück, z.B. LePoint.
Auch dort wird auf die Zeitschrift des Instituts “60 millions de consommateurs” verwiesen. Konkret

Sur les 19 colas testés, neuf ne contiennent pas d’alcool (Carrefour classic et light, Super U, Auchan, Cora, Casino, Leader Price, U-Man Cola), dix en contiennent moins de 10 mg/l (Coca-Cola classique, Light et Zéro, Pepsi classique et Max, Leclerc classique et Stévia, Dia, Breizh Cola) et le Soda Stream, une solution concentrée, en compte 272 mg/l.

Die Lösung des Rätsels ist also einfach. Gefunden wurden 10 Milligramm pro Liter. Ein Liter entspricht etwa einen Kilogramm, also 1000 Gramm bzw. einer Million Milligramm. Der Alkoholgehalt beträgt damit lediglich 0,001%. Einziger Ausreißer: ein Cola-Konzentrat zum Selbermischen, aber wer trinkt das schon pur.

Bei der Übersetzung ins Deutsche wurden also Milligramm in Milliliter aufgeblasen, ein Fehler um dem Faktor 1000.

Übersetzen aus dem Französischen ist offenbar nicht jedermanns Sache.

Heiko Evermann
Juli 2012

Update Januar 2016: die FAZ hat ihren Artikel mittlerweile korrigiert. Der oben verlinkte Artikel in der “Welt” ist noch immer falsch.

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