Mathe hilft: Kegelrobben im Sturm

Das “Hamburger Abendblatt” (Druckausgabe) vermeldet heute:

Die stürmischen Wochen zum Jahreswechsel haben der Geburtenzahl von Kegelrobben auf Helgoland nichts anhaben können, im Gegenteil. In dieser Saison, die von Ende November bis Anfang Februar reicht, hat es bisher mit 137 Geburten auf der Düne gleich 37 Prozent mehr Jungtiere als im schon erfolgreichen letzten Jahr gegeben.

Das tut weh im Kopf. Zeit für die Rubrik “Mathe hilft”. Wir betreten damit heute das mathematische Teilgebiet der Logik, den Taschenrechner brauchen wir dieses Mal nicht hochzufahren.

Stellen wir uns zunächst die Frage, wovon die Zahl der Geburten von Kegelrobben abhängt. Maßgeblich dürfte die Zahl der Schwangerschaften sein. Die Tragzeit von Kegelrobben beträgt elfeinhalb Monate (Wikipedia) Die Geburtenzahl der aktuellen Saison 2011/2012 entschied sich damit schon vor einem Jahr und nicht mit den “stürmischen Wochen zum Jahreswechsel”. Man könnte höchstens versuchen einwenden, dass aufgrund der Stürme vielleicht nicht alle überleben. Aber andererseits war ja im Artikel die Rede von der Geburtenzahl und nicht vom überlebenden Nachwuchs. Außerdem klärt der Artikel im weiteren Verlauf noch auf

Bei Sturm besetzen die Tiere einfach die Dünen oder den Flugplatz.

Wir haben uns jetzt also auf zwei Wegen davon überzeugt, dass die Geburtenzahl der Kegelrobben von den Winterstürmen dieser Saison nicht abhängt. Doch halt, die Einleitung hatte uns etwas anderes erzählt. Wir lesen noch einmal und reiben uns verwundert die Augen:

Die stürmischen Wochen zum Jahreswechsel haben der Geburtenzahl von Kegelrobben auf Helgoland nichts anhaben können, im Gegenteil. In dieser Saison, die von Ende November bis Anfang Februar reicht, hat es bisher mit 137 Geburten auf der Düne gleich 37 Prozent mehr Jungtiere als im schon erfolgreichen letzten Jahr gegeben.

Im Gegenteil. Was bedeutet das? Das Gegenteil von was? Von der ursprünglichen Befürchtung, der Sturm könnte der Geburtenzahl der Kegelrobben geschadet haben. Das heißt doch, der Autor behauptet allen Ernstes, der Sturm hätte dazu geführt, dass es jetzt mehr Kegelrobbenbabys gibt. Er sagt uns sogar, wieviel nämlich 37 Prozent.

Dafür hat der Abendblatt-Autor, über dessen Namen ich hier das Mäntelchen des Schweigens decke, glatt einen Orden verdient, so was wie einen Grammy für Unlogik, oder eine goldene Zitrone. Da muss ich mir mal was ausdenken.

In diesem Sinne…

Heiko Evermann, 19.1.2012

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