Wie teuer wird der Atomausstieg?

Kernkraftwerk BrokdorfFrüher habe ich von der Tageszeitung „die Welt“ viel gehalten. Sie war mein konservatives Leib- und Magenblatt. Diese Zeiten sind schon länger vorbei. So richtig verdorben hat es sich „die Welt“ mit mir dann seit Fukushima. Zur Erinnerung:
Das, wovor Kritiker immer wieder gewarnt haben, ist in Fukushima eingetreten. (Nicht zum ersten Mal, da war doch mal Tschernobyl. Ist Harrisburg  noch ein Begriff? Schon mal von der „Osturalspur“  gehört?)
Nach diesem umweltpolitischen Erdbeben kam dann Bewegung in die Atompolitik Deutschlands. Als Konservativer finde ich, ist dieser Atomaustieg ein Schritt in die richtige Richtung, ein langsamer, aber immerhin. Konservativ zu sein heißt ja, bewahren zu wollen. Und die Umwelt vor Fukushima, Tschernobyl, Harrisburg etc. zu bewahren, müsste dann doch eigentlich konservativ sein?

Nun, „die Welt“ sieht das anders und mäkelt seit Fukushima am Atomausstieg herum. Ich betrachte das schon länger mit zunehmendem Missfallen. Nach dem gestrigen Artikel „Atomausstieg kostet Bürger 32 Milliarden Euro“ war nun für mich das Maß voll. „Die Welt“ es damit geschafft, sich den ersten Artikel in meinem Blog zu erarbeiten.

Da wird wieder einmal die unter Atomausstiegausteigern beliebte Kostenkeule geschwungen, und das in dem vergleichsweise kurzen Artikel gleich mehrfach. So heißt es etwa „Der Ausstieg wird noch teurer.“ und „Das geplante Aus für die Atomkraft in Deutschland macht Strom bis zum Jahr 2030 um insgesamt mindestens 32 Milliarden Euro teurer.“ und natürlich wedelt man auch mit „weiteren Kostenrisiken“.

Der Leser ist beeindruckt. Wow, zweiundreißig Milliarden EUR, wer soll das bloß bezahlen, wir etwa?

Nun stehe ich schon lange auf dem Standpunkt „Mathe hilft“ und möchte einfach mal zurückfragen: sind 32 Milliarden viel? Wie so oft hilft ein wenig Mathematik, Dinge in die richtige Perspektive zu rücken:
Zunächst einmal geht es nicht um Ausgaben in 2011, da wären 32 Mrd. viel. Es geht vielmehr um den Zeitraum von 2011 bis 2030, also um 20 Jahre. Es geht also um 1,6 Mrd. pro Jahr.
Verteilen wir das nun auf die deutsche Bevölkerung von 81,8 Mio Einwohnern. Das macht dann gerade mal 19 Euro und 56 cent pro Jahr und Person bzw. 5,36 cent pro Einwohner und Tag. Ich finde, dafür kann man sich den Atomausstieg schon leisten. Insbesondere dann, wenn man wie ich nur 50 km von Problemkraftwerken wie Krümmel oder Brunsbüttel entfernt wohnt.
Es bietet sich auch die Frage an, wie teuer es wird, wenn man nicht aussteigt. TEPCO, der Betreiber des havarierten AKW von Fukushima geht derzeit von Schadensersatzforderungen in der Höhe von 100 Mrd EUR aus. Man kann wohl auch davon ausgehen, dass dies erst der Anfang des Schadensersatzes ist, und dass es am Ende für Tepco noch teurer wird, so teuer, dass der Staat, also alle Japaner gemeinsam, diese Kosten tragen werden. Dabei muss man auch noch berücksichtigen, dass es für Japan ja auch schlimmer hätte ausgehen können. Ein Großteil der radioaktiven Stoffe wurde nach Osten ins Meer geweht. Mal angenommen, es hätte statt Fukushima eine Anlage an der Westküste getroffen, z.B. das Kernkraftwerk Takahama, dann wäre das alles über dem japanischen Festland verteilt worden und der Schaden wäre noch viel größer gewesen.
Mir jedenfalls ist das fünf cent pro Tag wert, solche Gefahrenquellen in Deutschland abzustellen.

Bildquelle: Wikipedia
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