Zwei Jahre Fukushima

Zwei Jahre ist es heute her, dass die Reaktoren von Fukushima außer Kontrolle geraten sind. Dreifache Kernschmelze. Nach Tschernobyl das zweite Mal. Was hat die Welt daraus gelernt? Nicht genug. Noch immer werden Atomkraftwerke geplant und gebaut.

Die Kernkraftbranche meint, bei Neuanlagen die Sicherheit im Griff zu haben. Aber ist das überhaupt möglich? Bei Tschernobyl war es ein Steuerfehler. Ungefähr so wie bei einem Auto. Auch da kann man links anzeigen und rechts abbiegen.

Damals ging es um einen Systemtest: kann die Turbine die Notkühlung des Reaktors übernehmen, so lange bis die Diesel-Notstromaggregate laufen. Die interessanten physikalischen Effekte, die bei diesem Test auftraten, lassen sich in der englischen Wikipedia nachlesen.

Man kann sich manches an dem Ablauf erklären, und wer wie ich Physik als Hobby hat, kann sich da richtig festlesen. Besorgniserregend ist aber dass aber es dennoch heißt:

It was not possible to reconstruct the precise sequence of the processes that led to the destruction of the reactor and the power unit building

Wirklich vollständig verstanden ist der Unfall also immer noch nicht. Was man weiß: das letzte Messergebnis des Reaktors war eine Leistung von 33 Gigawatt, bei einer normalen Leistung von 3,2 Gigawatt. Plötzlich produzierte dieses Ding die zehnfache Leistung. Und das hat der Reaktor natürlich nicht ausgehalten.

Schön ist auch diese Aussage

The operator error was probably due to their lack of knowledge of nuclear reactor physics and engineering, as well as lack of experience and training.

Was bedeutet das für unsere Reaktoren? Wie gut ausgebildet sind unsere Reaktortechniker?

Zu dem Bedienfehler kommt auch ein Designfehler der Anlage. Um den zu verstehen, braucht man aber einiges an Physik. Das ist hochinteressant, lest das einfach in der englischen Wikipedia nach. Wichtig ist vor allem dies: Kerntechnik arbeitet mit physikalischen Effekten, die uns sonst nicht begegnen, und es wird unglaublich viel Energie umgesetzt.

Noch ein Blick auf Fukushima.
Auch dort kam es zu einer Energieproduktion, die man zu diesem Zeitpunkt in dieser Form nicht haben wollte. Die physikalischen Effekte waren aber andere. In Fukushima konnte man die Anlage nicht mal so eben abschalten. Das kennt man vom Kamin. Stell dir vor, du willst den ausmachen. Das geht auch nicht von jetzt auf gleich. Man kann zwar die Spaltung des Urans sehr schnell abschalten. Aber im Reaktor sammeln sich auch Spaltprodukte des Urans an. Diese sind selbst radioaktiv und produzieren damit Wärme. In den ersten Tagen nach einer Schnellabschaltung sind das etwa 10% der Reaktorleistung. Bei einem typischen deutschen Reaktor sind das 10% von 1000 MW, also 100 Megawatt. Da bleibt einem, egal welche Sicherheitsmaßnahmen man versucht zu treffen, nichts anderes übrig, als diese Wärme abzuführen. Wenn man das, wie in Fukushima, nicht kann, dann heizt sich die Anlage auf. Das geht sehr schnell und das zerstört dann den Reaktor.

Zur Veranschaulichung: ein Haarföhn setzt 1KW Leistung um. 100 Megawatt sind also 100.000 Haarföhne, die alle gleichzeitig den Reaktorkern anpusten. Schaff das mal weg, wenn die Kühlung ausfällt.

Dieses Sicherheitsproblem kann man nur auf eine Weise lösen: abschalten und dann warten, bis der Kern abgekühlt ist. Dann demontieren und bis zum jüngsten Tag sicher einlagern.

Die vier großen deutschen Energieversorger wollen sich bei den letzten deutschen AKWs damit noch 10 Jahre Zeit lassen und es laufen sogar Klagen gegen den deutschen Staat auf Schadensersatz. Wer dieses Geschäftsverhalten nicht fördern will, könnte seinen Strom auch zu 100% Öko bekommen. Das kostet kaum mehr Geld und ich finde, das ist die Mehrkosten allemal wert. Nähere Infos unter Atomausstieg selbermachen.

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