Sind die Siebenten-Tags-Adventisten eine Sekte?

Sind die Siebenten-Tags-Adventisten eine Sekte?

Die Siebenten-Tags-Adventisten sind keine Sekte, sondern eine evangelische Freikirche. Sie werden von anderen christlichen Kirchen als Freikirche anerkannt. Sie sind Gastmitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) und in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF).

Das Verhältnis der Adventisten zu anderen Kirchen und die Frage nach unserer Lehre verdienen einen genaueren Blick:

Haben die Siebenten-Tags-Adventisten Sonderlehren?

Eine Möglichkeit, den Begriff Sekte zu definieren, ist über die Lehre:

  • Stimmt die Lehre einer anderen Gemeinschaft mit derjenigen der eigenen Kirche überein?
  • Und stimmt die Lehre einer anderen Gemeinschaft mit der Bibel überein?

Dieses Kriterium ist schwieriger, als es auf den ersten Blick scheint, weil es zumeist das eigene Glaubensverständnis absolut setzt. Und doch ist dieses Kriterium bei der katholischen und bei der evangelisch-lutherischen Kirche beliebt. Die Lehren anderer Kirchen werden als “Sonderlehren” herabgewürdigt. Die Frage, ob vielleicht eher die eigenen Lehren nicht mit der Bibel übereinstimmen, wird nicht, oder nicht ausreichend gestellt.

Dabei könnte dieses Kriterium gerade für die eine der beiden großen Kirchen in Deutschland schwierig sein. Die Reformation hat schon vor 500 Jahren eine Reihe von Lehren der katholischen Kirche benannt, die sich nicht in der Bibel finden oder die sogar der Bibel klar widersprechen.

Wie verhält sich die adventistische Lehre zu anderen protestantischen Kirchen?

Wir Adventisten sehen uns als Teil der Reformation. Unsere Lehren über Gott, Jesus, die Bibel und die Kirche entsprechen in weiten Teilen denen anderer protestantischer Freikirchen.

Wir Adventisten sind davon überzeugt, dass unsere Lehren ein biblisches Fundament haben. Wir haben unsere zentralen Glaubensüberzeugungen mit biblischen Belegen begründet. Die meisten dieser Lehrpunkte finden sich auch bei vielen anderen Kirchen. Von wenigen Ausnahmen werden alle zumindest von einer weiteren christlichen Gemeinschaft vertreten. Eine kommentierte Aufstellung unserer zentralen Glaubensüberzeugungen findet sich hier. Ich möchte dich dazu einladen, dich selbst davon zu überzeugen.

Ist die Taufe ein Sektenmerkmal?

Eine große Übereinstimmung findet sich zwischen unseren Lehren und den baptistischen Freikirchen.

Wir Adventisten praktizieren die Glaubenstaufe. Das heißt: wir taufen nur Menschen, die schon Christen sind. Wir taufen nur Menschen, die ihren christlichen Glauben selbst bekennen und die selbst die Taufe begehren. Wir glauben auch, dass dies den biblischen Vorbild entspricht. Die Taufe von unmündigen Säuglingen ist unserer Auffassung nach keine gültige Taufe.

Wir Adventisten erkennen die Taufe von anderen baptistischen Kirchen an. Gleiches gilt für Taufen z.B. in der katholischen oder evangelisch-lutherischen Kirche, wenn der Täufling schon alt genug war, um diese Voraussetzungen zu erfüllen.

Wer in diesem Sinne biblisch getauft wurde, kann bei uns Adventisten Mitglied werden, ohne sich erneut taufen zu lassen. Wer nur als Baby getauft wurde, der kann bei uns nur Mitglied werden, wenn er sich erneut bzw. aus unserer Sicht erstmalig taufen lässt.

Unabhängig von dieser Frage sprechen wir niemandem den christlichen Glauben ab, der sich selbst zum Glauben an Jesus Christus bekennt.

Wenn du als Baby getauft wurdest, und später zum eigenen Glauben gefunden hast, dann gehörst du zu unseren Glaubensgeschwistern. Du könntest nur bei uns ohne Glaubenstaufe nicht Mitglied werden. Dafür bitten wir um Verständnis. Das halten auch alle anderen baptistischen Freikirchen so, ohne dass sie Sekten wären.

Ist der Sabbat ein Sektenmerkmal?

Auffällig ist bei uns Adventisten, dass wir unseren Gottesdienst am Samstag haben. Wir sind der Auffassung, dass dies den Zehn Geboten und dem Vorbild der ersten Christen entspricht. Der Sonntag als Gottesdiensttag ist eine spätere Erfindung, die von einer Abkehr von Gottes Geboten und auch von einer Abkehr von den jüdischen Wurzeln des christlichen Glaubens gespeist war.

Die Einführung des Sonntagsgottesdiensts war eine Fehlentscheidung der Kirche und wir Adventisten sind gerne bereit, hier anhand der Bibel und auch anhand der Kirchengeschichte Rede und Antwort zu stehen.

Der Sabbat ist in der Schöpfung, den Zehn Geboten und in der Lehre unseres Herrn Jesus Christus verankert. Wir Adventisten wollen auch in diesem Punkt den Geboten Gottes entsprechen. Andere Christen sehen das anders.

Allein schon diese Glaubensüberzeugung erfordert es unserer Meinung nach, dass die Siebenten-Tags-Adventisten eine eigene Kirche sind. Wir können mit anderen Kirchen zusammenarbeiten, aber nicht fusionieren.

Mehr zum Sabbat siehe hier.

Umgang mit Andersgläubigen oder mit ehemaligen Mitgliedern

Neben der Lehre ist ein weiteres, häufig gebrauchtes Kennzeichen von Sekten der Umgang mit Andersgläubigen und gegenüber ehemaligen Mitgliedern.

Einige religiöse Gruppierungen praktizieren hier die radikale Abschottung. Das kann soweit gehen, dass (z.B. bei den Zeugen Jehovas) der Kontakt auch zu Familienmitgliedern radikal abgebrochen wird, wenn sie die Glaubensgemeinschaft verlassen.

Wir Adventisten hingegen pflegen den Kontakt auch zu Andersgläubigen. Wir unterhalten Krankenhäuser, Schulen und Universitäten, um Menschen aller Glaubensrichtungen zu dienen. Wir haben unsere religiösen Überzeugungen, aber wir üben keinen Druck auf andere aus, diesen Überzeugungen zu entsprechen.

In unseren Gemeinden kann man kommen und auch gehen. Man kann auch jederzeit wiederkommen.

Wir brechen von uns aus nicht den Kontakt zu ehemaligen Adventisten ab. Die Freiheit zum eigenen Glauben ist uns wichtig. Das äußert sich auch darin, dass wir keine Babys taufen, sondern unseren Kindern die Gelegenheit geben, ihren eigenen Glauben zu finden.

Sollte man sich Sektenvorwürfe zu Herzen nehmen?

Wir Adventisten wissen, dass wir keine Sekte sind. Die oben genannten Punkte zeigen das deutlich. Dennoch gibt es einzelne Christen und einzelne Organisationen, die uns als Sekte verunglimpfen. Wie kann man damit umgehen?

Ich erinnere mich diesbezüglich an ein Gemeindeglied aus meiner damaligen Hamburger Gemeinde, vor Jahrzehnten aus Jugoslawien zugewandert, ein echtes adventistisches Original. Er hat oft von seinen Gesprächen auf der Arbeit erzählt. Er hat dort keine Gelegenheit ausgelassen, von seinem christlichen, adventistischen Glauben berichten. Einmal ging es um einen Kollegen, der fest davon überzeugt war, dass wir Adventisten doch irgendwie eine Sekte seien.

Daraufhin hat er seine Bibel herausgenommen und ihm einen Vers aus der Apostelgeschichte gezeigt. Paulus führt dort aus (Apg 24,14):

Das bekenne ich dir aber, dass ich nach dem Weg, den sie eine Sekte nennen, dem Gott meiner Väter so diene, dass ich allem glaube, was geschrieben steht im Gesetz und in den Propheten.

Und er hat dazu gesagt: schau mal, schon den ersten Christen hat man vorgeworfen, dass sie eine Sekte seien. Ich bin da in guter Gesellschaft.

Du kannst dir unsere Lehre anschauen und dich davon überzeugen, dass wir biblischen Boden unter den Füßen haben. Du kannst dir unsere Gemeinden anschauen und dich von unserer Praxis überzeugen. Du kannst unsere Literatur lesen. Du kannst unseren Fernsehkanal schauen. Du kannst dir ein eigenes Bild machen.

Ich bin mir sicher, dass du uns danach zugestehen wirst, dass man die Dinge zumindest auch so sehen kann, wie wir das tun.

Aber wenn du nach all dem immer noch meinen solltest, wir seien eine Sekte, dann weiß ich, dass ich damit in guter Gesellschaft bin: das ist auch den frühen Christen schon so gegangen.

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