Ist Jesus Christus der Erzengel Michael?


Siebenten-Tags-Adventisten lehren, dass Jesus Christus und der Erzengel Michael dieselbe Person sind. Das ist einer der Punkte unserer Theologie, mit denen wir bei anderen Christen auf Widerspruch stoßen. Aber lässt sich diese Auffassung aus der Bibel begründen?

Ist diese Lehre wichtig?

Bevor ich zu den Details komme, möchte ich festhalten:

In den 28 Glaubensartikeln unserer Kirche steht nichts zum Erzengel Michael. Auch nicht im Punkt 4, in dem es um Jesus geht. Dort geht es vielmehr großen Punkte, um Jesus als Sohn Gottes, um Jesus als Teil der Dreieinigkeit, seine Menschwerdung, sein Dienst, sein Opfer am Kreuz, Auferstehung, Wiederkunft. Alles das, was wir dort über Jesus bekennen, ist mit Bibelstellen untermauert und es steht in Übereinstimmung mit allen anderen christlichen Kirchen (von Sondergruppen wie Mormonen oder Zeugen Jehovas einmal abgesehen).

Zu den Glaubensartikeln gibt es auch ein dickes Buch, es heißt “Was Adventisten glauben : 27 biblische Grundlehren umfassend erklärt”. (Damals, als das Buch erschienen ist, waren es 27 Punkte, mittlerweile sind es 28.) Es ist die umfassendste systematische Darlegung unserer Lehre, die ich kenne. Dieses Buch ist leider nicht mehr neu erhältlich. Aber die englische Originalversion gibt es online. (Bei Sprachproblemen mit dem Englischen gerne mit Google Translate oder mit Deepl übersetzen).

Auch in diesem Buch habe ich den Erzengel Michael nicht gefunden.

Es ist mir wichtig, das ausdrücklich zu sagen: wir reden hier über ein Nebenthema des Glaubens. Das kann interessant sein. Es bleibt aber ein Nebenthema.

Nun gibt es im Internet eine Reihe von Webseiten und von Videos, die sich ausnehmend kritisch mit unserer Kirche, mit den Siebenten-Tags-Adventisten, auseinandersetzen. Da gehört merkwürdigerweise die Frage nach dem Erzengel Michael zum festen Inventar der Auseinandersetzung. Ich frage mich, warum? Muss das wirklich sein?

Wie wichtig ist der Erzengel Michael in der Bibel?

In der Bibel ist Michael kein zentrales Thema. Er kommt im Neuen Testament nur zweimal vor: Offb 12,7 und Judas 1,9. Im Alten Testament sind es drei Verse: Dan 10,13+21 und Dan 12,1 und diese drei Verse gehören zu einem gemeinsamen Abschnitt (Kapitel 10-12 behandeln eine durchgängige Vision.)

Auch das Wort “Erzengel” ist in der Bibel selten. Wir finden es nur zweimal: in Judas 1,9 und in 1. Thess 4,16. Das Alte Testament kennt das Wort Erzengel gar nicht.

Ich finde, das ist ganz schön wenig, um zum Thema Erzengel überhaupt etwas sagen zu können.

Von daher kann ich auch gut verstehen, wenn Christen dazu zu unterschiedlichen Auffassungen kommen. Ich finde das nicht schlimm. In Nebenthemen des Glaubens darf man gerne unterschiedliche Meinungen haben. Es wäre schade, wenn diese Unterschiede dann Christen voneinander trennen.

Die adventistische Lehre zum Erzengel Michael

Aber genug der Vorrede, kommen wir zur adventistischen Lehre über den Erzengel Michael.

Der wichtigste Einwand, den uns Kritiker entgegen halten ist, dass wenn man Jesus als Engel bezeichnet, das ihn abwerten würde, weil er als Gott sehr viel mehr als ein Engel ist. Es wird zudem in mehreren Bibelversen deutlich, dass Jesus mehr als ein Engel ist zB in Hebräer 1:

1,5 Denn zu welchem der Engel hat er jemals gesagt: `Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt?

und

1,13 Zu welchem der Engel aber hat er jemals gesagt: `Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde hinlege als Schemel deiner Füße? 1,14 Sind sie nicht alle dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil erben sollen?

Diese Kritik trifft aber nicht zu. Wir sind davon überzeugt, dass Jesus Gott ist. Hierzu verweise ich auf meinen Text zu Glaubenspunkt 4 (Jesus) aus unseren Glaubensartikeln. Das Missverständnis lässt sich einfach aufklären:

Was bedeutet der Begriff „Erzengel“

Unserer Meinung nach ist der Erzengel gar kein Engel. Schauen wir uns das griechische Wort einmal genau an:

Das Griechische Wort für Erzengel, das wir im NT zweimal vorfinden, heißt ἀρχάγγελος (archangelos). Der zweite Teil des Wortes bedeutet Engel (angelos). Der erste Teil des Worts (ἄρχων/Archon) bedeutet Herrscher oder Fürst. Der Erzengel ist also der Herrscher über die Engel.

Dieses Wort kommt im NT 37x in insgesamt 36 Versen vor und wird als “Fürst” oder auch als “Herrscher” übersetzt. Es wird auf verschiedene Fürsten angewendet, zum Teil auch auf irdische.

In Offb 1,5, wird Jesus Christus als Fürst bezeichnet:
“Jesus Christus, der der treue Zeuge ist, der Erstgeborene der Toten und der Fürst der Könige der Erde! “

Dieses Wort Archon finden wir auch im AT wieder, und zwar bei Michael.


Daniel 12,1: Und in jener Zeit wird Michael auftreten, der große Fürst, der für die Söhne deines Volkes eintritt.


Auf Hebräisch steht dort “Michael ha-sar ha-gadol” (Michael, der große Fürst) und die griechische Übersetzung davon, die Septuaginta, schreibt hier “Μιχαηλ ὁ ἄρχων ὁ μέγας” (Michael ho archon ho megas”, Michael, der große Fürst”. Archon, Fürst.

Wir finden im AT über Michael die Aussage, dass er der große Fürst ist.

Wir finden also in der Bibel weder im Alten noch im Neuen Testament die Aussage, dass Michael ein Engel ist, und erst recht nicht die Aussage, dass er “nur ein Engel” ist.

Die Rolle des Erzengels bei der Wiederkunft Christi

Ein wichtiger Vers für die Auffassung der Adventisten zum Erzengel Michael ist 1. Thess 4,16. Leider gehen hier die deutschen Bibelübersetzungen auseinander. Und wenn du diesen Vers in deiner Bibelübersetzung nachliest, wirst du dich vielleicht fragen, wie das kommt. Deshalb werde ich hier ganz offen mehrere Bibelübersetzungen gegenüber stellen und sie auch mit dem griechischen Orginaltext vergleichen.

Hier zunächst die englische King James Version. Diese wird in konservativen Kreisen im Englischen trotz oder wegen ihres Alter noch heute viel verwendet. Und sie war in den 1860ern, als sich die Adventisten als Kirche fanden, auch die mit Abstand wichtigste englische Bibelübersetzung.

(KJV) For the Lord himself shall descend from heaven with a shout, with the voice of the archangel, and with the trump of God: and the dead in Christ shall rise first:

Wichtig ist mir hierbei:

  • Jesus tritt auf
  • er tritt MIT einem Befehlsruf auf, und zwar mit seinem eigenen. Er hört nicht auf Befehle, sondern als König gibt er Befehle.
  • er spricht MIT der Stimme des Erzengels. Das ist eine Beschreibung seiner Stimme, eine Beschreibung der Eigenart seiner Stimme, eine Beschreibung der Qualität, der Beschaffenheit seiner Stimme und eine Beschreibung seines Herrschaftsanspuchs. Er wird nicht von einem Erzengel begleitet. Andernfalls müsste dort stehen „mit dem Erzengel“. Stattdessen ist aber nur von der Stimme des Erzengels die Rede
  • und es ist seine Trompete/Posaune.

Die KJV ist hier wörtlich am griechischen Text:

  • ὁ κύριος / ho kyrios : der Herr
  • ἐν κελεύσματι / en keleusmati: mit einem (Befehls)schrei
  • ἐν φωνῇ ἀρχαγγέλου / en phone archangelou : mit Stimme des/eines Erzengels
  • καὶ ἐν σάλπιγγι θεοῦ / kai en salpingi theou : und mit Trompete Gottes

Diese adventistische Sichtweise entspricht also dem griechischen Text und der KJV-Übersetzung.

Zum Vergleich:

Elberfelder: Denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels und bei [dem Schall] der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen;
Schlachter: denn der Herr selbst wird, wenn der Befehl ergeht und die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallt, vom Himmel herabkommen,
Luther 1984: Denn er selbst, der Herr, wird, wenn der Befehl ertönt, wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen, herabkommen vom Himmel,
Hoffnung für alle: Auf den Befehl Gottes werden die Stimme des höchsten Engels und der Schall der Posaune ertönen, und Christus, der Herr, wird vom Himmel herabkommen.

Die (wie üblich) sehr wörtliche Elberfelder-Übersetzung ist sehr nahe an der KJV. Je „freier“ die Übertragungen werden, desto mehr entfernen sie sich von der wörtlichen Bedeutung. Bis am Ende die HfA sogar nahelegt, dass es Gott ist, der Jesus befiehlt vom Himmel herunterzukommen. Während es eigentlich Jesus ist, der in 1. Thess 4,16 den Toten befiehlt, aufzustehen.

Das heißt: je nachdem, wie eng deine deutsche Bibelübersetzung am griechischen Originaltext ist, wirst du die adventistische Sicht des Verses zumindest als mögliches Verständnis von 1. Thess 4,16 (Elberfelder) wiederfinden, oder auch nicht (Hfa).

Ich, für meinen Teil, finde unsere adventistische Sichtweise vernünftig, und sie deckt sich auch mit einem weiteren Bibelvers, in dem es um die Auferstehung der Toten, um Jesus und um eine Stimme geht: Johannes 5,26ff:

5,26 Denn wie der Vater Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, Leben zu haben in sich selbst; 5,27 und er hat ihm Vollmacht gegeben, Gericht zu halten, weil er des Menschen Sohn ist. 5,28 Wundert euch darüber nicht, denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören 5,29 und hervorkommen werden: die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse verübt haben, zur Auferstehung des Gerichts.

Auch hier ist es Jesus, der die Vollmacht hat, die Auferstehung herbeizuführen, in eigener Macht, in eigenem Befehl, und es ist seine Stimme, die dabei zu hören ist. Er ruft, er befiehlt.

Dieser adventistische Verweis von 1. Thess 4,16 auf Joh 5,28 ist mir wichtig. Er gibt für mich den Ausschlag, dass die adventistische Sicht von 1. Thess 4 überzeugender ist.

Der Erzengel Michael im Buch Daniel

Im Buch Daniel begegnet uns Michael in drei Versen:

  • 10,13
  • 10,21
  • und Dan 12,1

Hierbei gehören die Kapitel 10 bis 12 zusammen. In Kapitel 11 macht jemand (ein Engel?) eine lange Ausführung über die zukünftige Geschichte Israels bis hin zur Auferstehung der Toten. Die Kapitel 10 und 12 sind ein Rahmen um das lange Kapitel 11: Daniel hatte nach einer anderen Vision (Kapitel 9) noch Fragen. Kapitel 10 erklärt, warum Daniel so lange auf diese Antwort warten musste. Kapitel 11 ist die Antwort. Kapitel 12 ist der Abschluss des Rahmens.

Hierbei treten neben Daniel mehrere Männer/Wesen/Engel auf. Auch auf Michael wird Bezug genommen. Die Redner und die handelnden Personen sind zum Teil nur knapp beschrieben. Und wenn man recherchiert, wer welche Person eigentlich ist, dann findet man im Internet verschiedene Ansichten.

Hier ist meine. Und ich möchte dich einladen, den Bibeltext Daniel 10 bis 12 aufzuschlagen und ihn mehrmals gründlich zu lesen. Das Kapitel 11 kannst du dabei weitgehend überspringen. Es geht mir hier um den Rahmen und um die Fragen

  • wer ist der Mann in Leinen?
  • wer macht die Erklärungen ab 10:10 bis hin zu Kapitel 12?
  • und wie verhält sich das zu Daniel?

In Kapitel 10,4 befindet sich Daniel „am Ufer des großen Stromes, das ist der Hiddekel.“ (Das ist ein anderes Wort für den Tigris in Mesopotamien, siehe hier.)

Der Mann in Leinen, der auf dem Wasser steht

Daniel sieht nun eine erschreckende Vision, die ihn ohnmächtig zu Boden fallen lässt (Vers 8), Er sieht einen Mann, der in Leinen gekleidet ist. (Vers 5). Hier ist der wichtige Abschnitt:


10,5 Und ich erhob meine Augen und sah: und siehe, da war ein Mann, in Leinen gekleidet, und seine Hüften waren umgürtet mit Gold von Ufas. 10,6 Und sein Leib war wie ein Türkis und sein Gesicht wie das Aussehen eines Blitzes. Und seine Augen waren wie Feuerfackeln und seine Arme und seine Füße wie der Anblick von glatter Bronze. Und der Klang seiner Worte war wie der Klang einer [Volks]menge. 10,7 Aber nur ich, Daniel, allein sah die Erscheinung. Die Männer, die bei mir waren, sahen die Erscheinung nicht; doch fiel eine große Angst auf sie, und sie flohen und versteckten sich. 10,8 Und ich blieb allein übrig und sah diese große Erscheinung. Und es blieb keine Kraft in mir, und meine Gesichtsfarbe veränderte sich an mir bis zur Entstellung, und ich behielt keine Kraft. (Elberfelder)

Dieses Wesen ist die gesamte Zeit, von Kapitel 10 bis Kapitel 12 an derselben Stelle. Es befindet sich nicht neben Daniel am Ufer. Es befindet sich vielmehr mitten auf dem Fluss.

12,5 Und ich, Daniel, sah: Und siehe, zwei andere standen da, einer hier am Ufer des Stromes und einer dort am Ufer des Stromes. 12,6 Und einer sagte zu dem in Leinen gekleideten Mann, der oben über dem Wasser des Stromes war: Wann ist das Ende dieser außergewöhnlichen Ereignisse? 12,7 Und ich hörte den in Leinen gekleideten Mann, der oben über dem Wasser des Stromes war,

Es wird zweimal betont, dass dieser Mann „oben über dem Wasser des Stromes“ war, während zwei andere Männer an den beiden Ufern des Flusses stehen.

Es gibt nur drei Personen in der Bibel, die auf dem Wasser laufen können. Das sind:

  • Gott der Vater: „der die Himmel ausspannt, er allein, und schreitet auf den Wogen des Meeres“ (Hiob 9,8)
  • Jesus, Gott der Sohn, der auf dem See Genezareth zum Boot der Jünger gelaufen ist (Matt 14,22ff) und der, als er beim Boot angekommen ist, Petrus eingeladen hat auf ihn zuzugehen. Petrus hat das nur ein paar Schritte gekonnt, dann verließ ihn der Glauben und er sank.
  • Gott der Heilige Geist: „Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis war über der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über den Wassern.“ (1. Mose 1,1+2)

Die Beschreiung des Mannes in Leinen finden wir an anderer Stelle in der Bibel wieder, im Buch der Offenbarung in Offb 1,12-18

1,12 Und ich wandte mich um, die Stimme zu sehen, die mit mir redete, und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter, 1,13 und inmitten der Leuchter [einen] gleich einem Menschensohn, bekleidet mit einem bis zu den Füßen reichenden Gewand und an der Brust umgürtet mit einem goldenen Gürtel; 1,14 sein Haupt aber und die Haare [waren] weiß wie weiße Wolle, wie Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme 1,15 und seine Füße gleich glänzendem Erz, als glühten sie im Ofen, und seine Stimme wie das Rauschen vieler Wasser; 1,16 und er hatte in seiner rechten Hand sieben Sterne, und aus seinem Mund ging ein zweischneidiges, scharfes Schwert hervor, und sein Angesicht [war], wie die Sonne leuchtet in ihrer Kraft. 1,17 Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot. Und er legte seine Rechte auf mich und sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte 1,18 und der Lebendige, und ich war tot, und siehe, ich bin lebendig in alle Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und des Hades.

In Offb 1 ist ganz klar, wer dieser Mann ist: Jesus Christus. Die Parallelen zwischen Dan 10 und Offb 1 sind deutlich:

  • das Gewand.
  • der goldene Gürtel
  • Augen wie Feuerflammen
  • Füße wie Erz
  • eine Stimme wie von einer Menge/wie Wasserrauschen
  • der Zuhörer sinkt ohnmächtig zu Boden

Diese beiden Punkte (auf dem Wasser gehen und die Beschreibung) machen m.E. deutlich, dass Daniel hier Jesus sieht.

Nun habe ich bei der Recherche auch Auslegungen gefunden, die meinten, Daniel hätte in Kapitel 10 einen Engel gesehen, und nicht Jesus Christus. Ich halte das für fraglich. Es würde auch keine Probleme in der Auslegung lösen. Im Gegenteil: es würde ein großes neues erzeugen. Offenbarung 1 würde dann Jesus mit denselben Worten beschreiben, die in Daniel 10 einen Engel bezeichnen. Dabei ist Jesus laut Hebr 1 eben kein Engel.

Der erklärende Engel

In Dan 10,10 beginnt nun die Erklärung der Vision. Daniel wird angerührt und aufgeweckt:

Und siehe, eine Hand rührte mich an und rüttelte mich auf, [so daß ich wieder] auf meine Knie und Handflächen [kam]. 10,11 Und er sprach zu mir: Daniel, du vielgeliebter Mann! Achte auf die Worte, die ich zu dir rede, und steh an deinem Platz! Denn ich bin jetzt zu dir gesandt. Und als er dieses Wort mit mir redete, stand ich zitternd auf. 

Wichtig ist hier: diese Hand gehört nicht zu dem Mann in Leinen. Es ist jemand anders,

  1. Der Mann in Leinen befindet sich die ganze Zeit (siehe Kapitel 12) mitten auf dem Fluss, auf einem großen Fluss, einem Strom. Er ist zu weit weg, um Daniel von dort aus anzurühren.
  2. Es heißt „eine Hand rührte mich an“ und nicht etwa „seine Hand“
  3. Daniel redet mit dem Mann, dem die Hand gehört ÜBER die Erscheinung („Mein Herr, bei der Erscheinung überfielen mich meine Wehen, und ich habe keine Kraft behalten.“, Vers 16)

Wer ist dieser andere Mann? Manche Ausleger vermuten, es sei der Engel Gabriel, der auch in Kapitel 9 auftritt. Vielleicht ja, vielleicht nein. Die Bibel sagt es uns nicht.

Dieses Wesen berichtet nun von einer Auseinandersetzung, von einem Kampf gegen den Fürsten von Persien. Es geht hier offenbar nicht um den König von Persien, sondern um ein mächtiges damonisches Wesen, den geistlichen Fürsten von Persien.

Daniel 10,12: Fürchte dich nicht, Daniel! Denn vom ersten Tag an, als du dein Herz darauf gerichtet hast, Verständnis zu erlangen und dich vor deinem Gott zu demütigen, sind deine Worte erhört worden. Und um deiner Worte willen bin ich gekommen. 10,13 Aber der Fürst des Königreichs Persien stand mir 21 Tage entgegen. Und siehe, Michael, einer der ersten Fürsten, kam, um mir zu helfen, und ich wurde dort entbehrlich bei den Königen von Persien. 

Und wer ist jetzt Michael? Ich meine, es ist der Mann in Leinen, den Daniel in einer Vision/Erscheinung über dem Wasser des Flusses sieht.

Dieser Michael ist „einer der ersten Fürsten“. Man könnte an dieser Stelle anfangen, über Engel und deren Struktur und Aufgaben zu spekulieren. Ich möchte das nicht tun. Ich möchte nicht über das wenige hinausgehen, was wir in der Bibel finden.

Was wir finden, ist dieses:

Wir können aus „einer der ersten Fürsten“ herauslesen, dass es noch mehr „erste Fürsten“ gibt. In 12,1 ist Michael „der große Fürst“.

In Kapitel 12 heißt es

12,1 Und in jener Zeit wird Michael auftreten, der große Fürst, der für die Söhne deines Volkes eintritt. Und es wird eine Zeit der Bedrängnis sein, wie sie [noch] nie gewesen ist, seitdem [irgend]eine Nation entstand bis zu jener Zeit. Und in jener Zeit wird dein Volk errettet werden, jeder, den man im Buch aufgeschrieben findet. 12,2 Und viele von denen, die im Staub der Erde schlafen, werden aufwachen: die einen zu ewigem Leben und die anderen zur Schande, zu ewigem Abscheu. 12,3 Und die Verständigen werden leuchten wie der Glanz der Himmelsfeste; und die, welche die vielen zur Gerechtigkeit gewiesen haben, [leuchten] wie die Sterne immer und ewig.

Michael wird „auftreten“. Dieses Wort wird in Daniel 11 mehrfach über die verschiedenen Könige verwendet, die auftreten werden. Es bezeichnet den Machtantritt. Wir lernen auch, dass Michael für das Volk Gottes eintritt. Und dass es einen Bezug zur Auferstehung gibt. Gegen Ende der Zeiten wird es zu einer Notzeit kommen. Michael wird diese Notzeit beenden, direkt danach kommt die Auferstehung der Toten.

Das ist ein guter Zeitpunkt um zu 1. Thess 4 zurückzukehren: wer ist es , der die Toten aufweckt, und zwar mit „der Stimme des Erzengels“? Jesus Christus selbst.

Daniel hat damals am Fluss Jesus Christus selbst gesehen, der in der Rolle des Erzengels Michael von jeher für das Volk Gottes eingetreten ist, es beschützt und geführt hat, und der Gottes Volk am Ende der Zeiten aus einer schlimmen Bedrängnis retten und die Toten auferwecken wird.

Als Jesus auf Eden war, als er „Fleisch geworden war“ (Joh 1), erniedrigte er sich und wurde zu einem Menschen wie wir (Phil 2,8). An sich aber, ist Jesus Christus, der Sohn Gottes, als Teil der Dreieinigkeit, das mächtigste Wesen im Universum. Einen kleinen Einblick in dessen Größe konnte Daniel am Fluss Hiddekel gewinnen.

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