Warum feiern Zeugen Jehovas kein Weihnachten?

Die Zeugen Jehovas sind dafür bekannt, dass sie das Weihnachtsfest ablehnen. Sie nennen dafür diese Gründe:

  • Jesus habe geboten, seinen Todestag zu begehen, aber nicht geboten, seinen Geburtstag zu feiern.
  • Die Apostel und die ersten Jünger Jesu kannten kein Weihnachten.
  • Es gebe keinen Beleg dafür, dass Jesus am 25. Dezember geboren wurde.
  • Weihnachten habe seine Wurzeln in heidnischen Bräuchen und Riten und sei daher für Gott nicht akzeptabel

Bei näherer Betrachtung überzeugen diese Argumente aber nicht:

“Jesus hat geboten, seinen Todestag zu begehen, aber nirgendwo geboten, seinen Geburtstag zu feiern”

Jesus hat in der Tat geboten, seinen Tod zu verkünden, z.B.

Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

1. Kor 11:26

Daher hat die christliche Kirche schon sehr früh angefangen, jedes Jahr das Osterfest zu feiern.

Was aber bedeutet das für das Weihnachtsfest? Immerhin ist dies nach dem Kreuzestod und der Auferstehung von Jesus das nächstwichtige Ereignis der Weltgeschichte. Ohne Weihnachten hätte es kein Ostern gegeben.

Er kam in sein eigenes Zuhause, aber sein eigenes Volk akzeptierte ihn nicht. Doch alle, die ihn aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, weil sie an seinen Namen glaubten.“

Joh 1:11+12 (NWÜ)

Gibt es irgend einen Vers in der Bibel, der uns verbietet, die Geburt von Jesus zu feiern? Nein, nirgends in der Bibel wird uns verboten, die Geburt von Jesus zu feiern.

Für die Kritik an Festen gibt es aus der Zeit der ersten Gemeinde ein Vorbild, allerdings keines, das wir Christen nachahmen sollten. Es gab damals einzelne, die es für geistlicher hielten, überhaupt nicht zu feiern. Paulus berichtet im Kolosserbrief davon:

Deshalb lasst euch von niemandem wegen Essen und Trinken oder wegen eines Festes oder wegen der Beachtung eines Neumonds oder eines Sabbats verurteilen.

Kol 2:16 (NWÜ)

Diesen Kritikern hat Paulus folgendes ins Stammbuch geschrieben:

All das hat den Anschein von Weisheit in einer selbst auferlegten Art der Anbetung und einer falschen Demut, einer strengen Behandlung des Körpers, aber es ist von keinem Wert im Kampf gegen die Wünsche des sündigen Körpers.

Kol 2:23 NWÜ

Halten wir fest: die Bibel verbietet in keinem einzigen Vers, die Geburt von Jesus Christus zu feiern.

„Die Apostel und die ersten Jünger Jesu kannten kein Weihnachten“

Dieses Argument ähnelt dem vorherigen, es geht aber ein Stück weit darüber hinaus: es wird unterstellt, man dürfe nur Feste feiern, die Gott selbst oder Jesus oder zumindest die Apostel angeordnet haben. Das war aber schon in biblischen Zeiten nicht so.

Gedenksteine

Die Bibel berichtet wiederholt davon, dass gläubige Menschen Gedenksteine zur Erinnerung aufgestellt haben. Menschen erlebten das Eingreifen Gottes in dieser Welt und beschlossen dann, etwas dagegen zu tun, dass dies in Vergessenheit gerät. Oft ganz ohne dass Gott dies angeordnet hat.

Als sich Jakob aus Kanaan aufmachte, um sich in der ehemaligen Heimat seines Großvaters Abraham eine Ehefrau zu suchen, erschien ihm Gott im Traum (1. Mose 28:10ff) und sicherte ihm seinen Segen für diese Reise zu.

„Was für ein Ehrfurcht einflößender Ort! Das kann nur das Haus Gottes sein und das ist das Tor zum Himmel.“ Jakob stand früh am Morgen auf, nahm den Stein, auf den er seinen Kopf gelegt hatte, stellte ihn als Gedenkstein auf und goss Öl darüber. Er nannte den Ort Bethel.

1. Mose 28:17ff

Der Ort hieß auch Jahrhunderte später noch Beth-El, also hebräisch für „Haus Gottes“. Jakob hat dafür gesorgt, dass er und seine Nachkommen sich an dieses wichtige Ereignis erinnerten.

Purim: Ein Fest, das Gott nie geboten hatte

Im Buch Esther wird der Ursprung des Purim-Fests beschrieben. Haman hat versucht, die Juden zu vernichten und sie sind nur knapp dem Tode entronnen.

Und so sollen diese Tage im Gedächtnis bleiben und gefeiert werden von Geschlecht zu Geschlecht, in allen Provinzen und Städten; so daß diese Purimtage nie verschwinden sollen aus der Mitte der Juden und ihr Gedächtnis bei ihren Nachkommen nicht aufhören soll.

Esther 9,26-28

Die Juden verordnen sich hier selbst ein Fest. Dieses Fest wird noch heute, 2500 Jahre danach, von den Juden mit großer Begeisterung und Freude gefeiert. Und halten wir fest: der Schreiber dieses biblischen Berichts macht den Juden nicht den geringsten Vorwurf, obwohl sie hier sich selbst ein Fest verordnen. Warum kritisiert er die Juden nicht scharf für diese Entscheidung? Ganz einfach: weil sie diese Entscheidung treffen durften. Und diese Entscheidung war gut und richtig, denn sie richtet jedes Jahr erneut die Aufmerksamkeit auf Gott und auf die Rettung, die er damals für sein Volk erzielt hat.

Gedenken ist erlaubt

Man kann Feste feiern, auch wenn Gott sie nicht ausdrücklich befiehlt. Man muss es nicht, man kann es aber. Wer anderen vorschreiben will, er dürfe das Weihnachtsfest nicht feiern, nur weil Gott das Fest nicht angeordnet hat, der hat die Bibel definitiv nicht auf seiner Seite.

Natürlich gibt es keine Verpflichtung, dass Zeugen Jehovas Weihnachten feiern müssten. Das erwarte ich von ihnen auch nicht. Ich erwarte aber von ihnen, dass sie mich und all die anderen Christen, die dieses Fest feiern wollen, dafür nicht verurteilen.

Bei religiösen Festen soll es um Gott gehen. Das ist beim Weihnachtsfest in unserem Land nicht überall der Fall. Das kann man dann zu recht kritisieren. Aber in unserer Gemeinde und in unserer Familie steht zu Weihnachten der Glauben im Mittelpunkt. Wir feiern christliche Weihnachten. Und das ist gut und richtig so.

“Es gibt keinen Beleg dafür, dass Jesus am 25. Dezember geboren wurde.”

Die Bibel nennt uns Tag und Monat der Geburt von Jesus nicht, noch nicht einmal die Jahreszeit. Aber bedeutet das, dass man seinen Geburtstag nicht feiern kann?

Schauen wir zum Vergleich auf eine irdische königliche Hoheit, auf die Königin von England, auf Queen Elizabeth II. Sie hat im April Geburtstag, die feiert dann aber nur im engsten Familienkreis. Ihre jährliche Geburtstagsparade („Trooping the Colour“) findet im Juni statt. Das hat in England Tradition. Schon ihr Vorfahr Georg II feierte seit 1748 seinen offiziellen Geburtstag an einem anderen Tag, weil er nicht im November feiern wollte.

Außerdem ist es durchaus möglich, dass der tatsächliche Geburtstag von Jesus in etwa am 25. Dezember war. Bevor seiner Mutter, Maria, schwanger wurde, erschien ihr ein Engel, um ihr die Schwangerschaft anzukündigen. (Lukas 1,26ff) Der Gedenktag dafür ist der 25. März, das Fest heißt „Verkündigung des Herrn“ bzw. „Annuntiatio Domini“, von da sind es neun Monate bis zum 25. Dezember, neun Monate ist auch die übliche Dauer einer Schwangerschaft.

Dieses Datum galt auch als der tatsächliche Todestag von Jesus: man meinte schon im Jahre 240, dass die Empfängnis von Jesus an demselben Tag wie sein Tod gewesen sei. Dies sei, so meinte man, auch der Zeitpunkt der Schöpfung gewesen, die auch im Frühjahr stattgefunden habe. (Mehr dazu in der englischen Wikipedia in Feast of the Annunciation).

Die ersten Belege für das Weihnachtsfest sind einige Jahrhunderte später zu finden. Als man begonnen hat, Weihnachten zu feiern, hat man aber auf diese alten Überlieferungen zurückgegriffen und das Datum aus diesen Überlegungen bezogen.

Weihnachten hat seine Wurzeln in heidnischen Bräuchen und Riten

Worum ging es der christlichen Kirche Cell Phone Number Trace , als sie begonnen hatte, Weihnachten zu feiern? Aus dieser Zeit sind uns einige Weihnachtspredigten überliefert, z.B. von Augustinus:

Man kann leicht sehen, dass es auch in den ersten offiziellen Weihnachtsfeiern der christlichen Kirche immer um Jesus ging, und um seine Bedeutung für die Erlösung.

Die Behauptung, Weihnachten habe seine Wurzeln in heidischen Festen ist grundlos.

Bild von DEZALB auf Pixabay

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