Gott hat im Alten Testament einen Eigennamen, aber dieser lautet NICHT Jehova.
Wir schauen uns an, wie Gott seinen Namen selbst erklärt.
Gott beruft Mose. Aber Mose hat eine Rückfrage an Gott: wie ist dein Name?
2. Mose 3,13-15 (Schlachter 2000)
13 Und Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Kindern Israels komme und zu ihnen sage: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt!, und sie mich fragen werden: Was ist sein Name? – was soll ich ihnen sagen? 14 Gott sprach zu Mose: »Ich bin, der ich bin!« Und er sprach: So sollst du zu den Kindern Israels sagen: »Ich bin«, der hat mich zu euch gesandt. 15 Und weiter sprach Gott zu Mose: So sollst du zu den Kindern Israels sagen: Der Herr, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt; das ist mein Name ewiglich, ja, das ist der Name, mit dem ihr an mich gedenken sollt von Geschlecht zu Geschlecht.
Gott beantwortet die Frage nach seinem Namen in drei Varianten:
Version 1
“ Was ist sein Name? – was soll ich ihnen sagen? Gott sprach zu Mose: »Ich bin, der ich bin!«”.
Hebräisch אֶֽהְיֶ֖ה אֲשֶׁ֣ר אֶֽהְיֶ֑ה (Aussprache: Ehyeh asher ehyeh).
Dies ist Gottes erste Antwort auf die Frage nach seinem Namen.
Ehyeh bedeutet “ich bin”. Asher ist ein Relativpronomen. “Ich bin, der ich bin”. An sich ganz einfach. Oder auch nicht…
Man findet in verschiedenen Übersetzungen auch:
- „Ich werde sein, der ich sein werde.“ (Luther 1984)
- „Ich bin da“ (Gute Nachricht 2018)
- Die Neue-Welt-Übersetzung (NWÜ)der Zeugen Jehovas von 1986 verkompliziert es mit „ICH WERDE MICH ERWEISEN, ALS WAS ICH MICH ERWEISEN WERDE.“
- Die überarbeitete Neue-Welt-Übersetzung von 2018 macht es dann nicht besser und schreibt „Ich werde, was ich werden möchte“. Das ist die Übersetzung der englischen New-World-Translation (NWT) von von 2013: „I Will Become What I Choose to Become.“
All diese Versuche halte ich für wenig gelungen.
Die Übersetzung der Zeugen Jehovas, in der deutschen NWÜ und in der englischen NWT widerspricht sogar direkt der Bibel. In Maleachi 3,6 heißt es (in der Übersetzung der Zeugen Jehovas!):
NWT: “For I am Jehovah; I do not change.”
NWÜ: “„Denn ich bin Jehova, ich ändere mich nicht.”
Gott selbst sagt, er ändert sich nicht. Aber in der NWÜ von 2. Mose 3,14 ändert er sich nach eigenem Belieben.
Meiner Meinung nach ist das schlichte “ich bin, der ich bin” die beste Wiedergabe im Deutschen. Warum das?
Die griechische Sprache hat ein Zeitsystem, das noch detaillierter ist als das der deutschen Sprache. Und als griechischsprechende Juden um ca. 200 v. Chr. das Alte Testament ins Griechische übersetzten, nutzen sie die Möglichkeiten des Zeitsystems der griechischen Sprache so:
ἐγώ εἰμι ὁ ὤν (Ego eimi ho on), also “ich bin der Seiende”.
Ich bin dafür, dass wir denen vertrauen, die damals viel dichter am gesprochenen Hebräisch und auch viel dichter am Griechisch dran waren als wir es heute sind. Also: Präsens: “ich bin”.
Version 2:
Die zweite Version des Gottesnamens begegnet uns ebenfalls in 2. Mose 3,14:
“Und er sprach: So sollst du zu den Kindern Israels sagen: »אֶֽהְיֶ֖ה/ehjeh/ich bin«, der hat mich zu euch gesandt.”
Hier hat Gott selbst das “ich bin, der ich bin” zu “ich bin” verkürzt. Die Griechische Übersetzung übersetzt hier mit “ὁ ὢν/ho on”: der Seiende hat mich zu euch gesandt.
Version 3
In Vers 15 kommt nun die dritte Version von Gottes Namen:
“So sollst du zu den Kindern Israels sagen: יהוה, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt;”
Hier steht als dritte Version nun יהוה (JHWH). Während die Versionen 1 und 2 mit ehjeh eindeutig zu identifizieren sind (1. Person Sg von הָיָה/hayah = sein, also “ich bin”), ist JHWH kein direktes Wort im heutigen Hebräisch. Es sieht aber sehr danach aus, als handele es sich hier um eine altertümliche Form von “er ist”, und zwar von einem Verb HWH, das erst später von W zu J gewechselt ist, also zu HJH/hajah. Dieses Wort heißt “sein”. Das vorangestellte J kennzeichnet die 3. Person Singular: “er ist”
Mose fragt, wie sollen wir dich nennen? Und die Antwort ist: nennt mich “er ist”. “das ist der Name, mit dem ihr an mich gedenken sollt von Geschlecht zu Geschlecht.”
Die Aussprache von Gottes Eigennamen
Hebräisch hat nun ein Schriftsystem, das von unseren lateinischen Buchstaben stark abweicht. Hebräisch schreibt nur die Konsonanten und zum Teil die Halbvokale. Die Vokale wurden nicht mitgeschrieben. Wer Hebräisch kannte, der konnte Hebräisch trotzdem lesen. Auch im heutigen Hebräisch kommen die Leute ohne Vokalzeichen klar.
Die Konsonanten von Gottes Eigennamen sind JHWH. Nur leider ist die Aussprache von JHWH nicht überliefert. Wir haben nur die Konsonanten und nicht die Vokale.
Warum ist die Aussprache von Gottes Eigennamen verloren gegangen?
Wer war schuld? Die Kirche? Die Juden?
Ich sage: weder noch. Gott selbst hat sehr darauf geachtet, das jüdische Volk über die Jahrhunderte zu bewahren, damit “als die Zeit erfüllt war” (Galater 4:4), Christus, der Messias kommen konnte. Er hat die Bibel, sowohl das Alte als auch das Neue Testament bewahrt, so dass wir sein Wort heute lesen können.
Wenn Gott es gewollt hätte, wenn es ihm wichtig gewesen wäre, dann hätte er die Aussprache seines Eigennamens überliefern können. Aber er hat es nicht getan.
Wann hörte man auf, den Eigennamen Gottes auszusprechen?
Der Name Gottes wurde schon zur Zeit von Jesus nicht ausgesprochen. Stattdessen nutzte man Ersatzwörter wie “Adonaj” (=”Herr”).
Der einflussreiche jüdische Philosoph und Theologe Philon von Alexandrien (ca.15 v.Chr.-40 n.Chr.) beschreibt in De vita Mosis („Das Leben von Mose“) in Buch 2 den Hohenpriester, seine Kleidung und seinen Dienst. In Absatz 114 schreibt er:
(Original auf Griechisch) χρυσοῦν δὲ πέταλον ὡσανεὶ στέφανος ἐδημιουργεῖτο τέτταρας ἔχον γλυφὰς ὀνόματος, ὃ μόνοις τοῖς ὦτα καὶ γλῶτταν σοφίᾳ κεκαθαρμένοις θέμις ἀκούειν καὶ λέγειν ἐν ἁγίοις, ἄλλῳ δ’ οὐδενὶ τὸ παράπαν οὐδαμοῦ.
(Auf Deutsch) „Ein goldenes Blatt wurde wie eine Krone gefertigt, das vier eingravierte Buchstaben des Namens trug, welchen zu hören und auszusprechen nur denen erlaubt ist, die Ohren und Zunge durch Weisheit gereinigt haben, im Heiligtum; einem anderen aber überhaupt nirgends und in keiner Weise.“
Philon von Alexandrien war Zeitgenosse Jesu. Zur Zeit Jesu wurde der Eigenname Gottes (das Tetragrammaton=das Vierbuchstabenwort) im Alltag und in der Synagoge bereits nicht mehr ausgesprochen – man ersetzte ihn durch „Adonaj“ („Herr“). Nach Philo durfte er nur im Tempel von besonders reinen Personen (im Wesentlichen vom Hohepriester) gehört und ausgesprochen werden – nirgendwo sonst und von niemand anderem.
Hat Jesus den Eigennamen Gottes ausgesprochen
Nein. Wir haben gute Gründe anzunehmen, dass auch Jesus den heiligen Eigennamen Gottes (JHWH / Tetragrammaton) nicht öffentlich ausgesprochen hat. Ihm war etwas anderes wichtig: Er hat uns gelehrt, Gott als Vater anzusprechen.
In der Synagoge von Nazareth (Lukas 4,16–30) liest Jesus aus dem Propheten Jesaja vor:
»Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, den Armen frohe Botschaft zu verkünden … um zu verkündigen das angenehme Jahr des Herrn.«
Anschließend rollt er die Buchrolle zusammen, setzt sich und sagt: „Heute ist diese Schrift erfüllt vor euren Ohren.“
In der damaligen Synagoge wurde der göttliche Eigenname nicht ausgesprochen. Man ersetzte ihn durch „Adonaj“ („Herr“). Hätte Jesus an dieser oder anderer Stelle den Namen JHWH laut ausgesprochen, wäre das ein schwerer Verstoß gegen die geltende jüdische Praxis gewesen – und hätte mit Sicherheit zu heftigen Auseinandersetzungen geführt.
Das Neue Testament berichtet von vielen Konflikten Jesu mit den Pharisäern und Schriftgelehrten hatte – über den Sabbat, Reinheitsvorschriften, den Umgang mit Sündern usw. Eine Auseinandersetzung darüber, dass Jesus den verbotenen Gottesnamen ausgesprochen hätte, gibt es jedoch nirgends. Das Schweigen der Evangelien ist hier sehr aussagekräftig.
Jesus ging einen anderen Weg: Er lud ein, Gott persönlich und vertrauensvoll als „Abba, Vater“ anzusprechen.
Hat die frühe Kirche den Namen Gottes verkündigt
In Apostelgeschichte 4,12 sagt Petrus vor dem Hohen Rat über Jesus:
„Und es ist in keinem anderen das Heil; denn es ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden sollen.“
Die frühe Kirche hat Christus gepredigt – Jesus als den Messias, den Gekreuzigten und Auferstandenen. In Antiochia wurden die Jünger erstmals „Christen“ genannt (Apg 11,26). Wichtig ist: Sie haben sich nicht selbst so genannt. Andere Menschen bezeichneten sie so, weil sie ständig von Jesus Christus sprachen und ihn als den Retter verkündigten.
Genau das ist den Außenstehenden aufgefallen. Der römische Historiker Tacitus schreibt in seinen Annalen (15,44) über die Christen und leitet ihren Namen von Christus her, der unter Pontius Pilatus hingerichtet wurde. Der Name Jehova ist ihm nicht aufgefallen.
Stellen wir uns vor, die frühen Christen hätten (ähnlich wie später die Zeugen Jehovas) vor allem den Namen „Jehova“ verkündigt. Dann wäre genau das in den Quellen festgehalten worden. Griechische und lateinische Autoren schreiben Vokale mit – wir wüssten also sehr genau, wie sie den Namen ausgesprochen haben. Stattdessen ist überall die Rede von der Verkündigung Jesu Christi.
Die frühe Kirche hat sich nicht durch die Wiederbelebung des alttestamentlichen Gottesnamens ausgezeichnet, sondern durch die Botschaft, dass in Jesus Christus allein das Heil liegt.
Woher stammt das Wort Jehova?
Der hebräische Bibeltext enthielt ursprünglich nur die Konsonanten. Zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert fügten die masoretischen Gelehrten Vokalzeichen (Punkte und Striche) hinzu, um die Aussprache zu sichern, ohne den heiligen Konsonantentext zu verändern.
Beim Tetragramm JHWH (יהוה) setzten sie jedoch nicht die ursprünglichen Vokale des Gottesnamens ein. Stattdessen sollten die Leser „Adonai“ („mein Herr“) sagen. Deshalb übernahmen sie die Vokale von Adonai als dringenden Hinweis, hier beim Vorlesen aufzupassen und das Ersatzwort Adonai zu lesen.
Das Wort Adonai beginnt mit einem Schwa (ə) – einem sehr kurzen, fast stummen Vokal (ähnlich dem „e“ in „genommen“). Zusammen mit den übrigen Vokalen von Adonai (ō und ā) ergibt sich bei JHWH die Form יְהֹוָה (Yəhōwāh). Das Schwa unter dem ersten Buchstaben wird meist als kurzes „e“ gesprochen, sodass „Je-hō-wāh“ entsteht – also „Jehova“.
Im Mittelalter kamen nun manche Leser auf die Idee, diese Buchstaben einfach wörtlich zusammenzulesen. Sie erhielten damit das Kunstwort „Jehova“. Sie zeigten damit, wie schlecht es um ihre Hebräischkenntnisse bestellt war.
Dass die Vokalzeichen bei JHWH nicht die echten Vokale des Namens sind, lässt sich leicht zeigen: Es gibt Bibelverse, in denen JHWH nicht als Adonai gelesen werden soll. Zum Beispiel in Versen, wo direkt neben JHWH ohnehin schon das Wort „Adonai“ steht (z. B. Psalm 69,6). Dort punktierten die Masoreten JHWH mit den Vokalen von Elohim (יְהוִה). Es wird dann „Adonai Elohim“ („Herr Gott“) gelesen, damit es nicht „Adonai Adonai“ heißt.
Die echte Aussprache des Gottesnamens ist schon vor vielen Jahrhunderten verloren gegangen.
Jehova ist NICHT der Name Gottes
Jehova ist ein künstliches Mischwort aus den Konsonanten JHWH und den Vokalen von „Adonai“. Die ursprüngliche Aussprache war bereits in neutestamentlicher Zeit nicht mehr im Gebrauch. Die heute von den meisten Forschern bevorzugte Form lautet etwa „Jahwe“ (Yahweh).
Auch die Wachtturmgesellschaft räumt ein, dass „Jahwe“ wahrscheinlich näher an der ursprünglichen Aussprache liegt. Sie halten dennoch an „Jehova“ fest, weil diese Form in vielen Sprachen die bekannteste und am weitesten verbreitete sei. Diese Verbreitung geht jedoch maßgeblich darauf zurück, dass es die Zeugen Jehovas sind, die dieses Mischwort in ihren Schriften und ihrer Missionstätigkeit verbreiten.
Anders formuliert: die Zeugen Jehovas verbreiten hier wissentlich eine rein menschliche Tradition.
Was folgt daraus
Kurz zusammengefasst:
- Die Aussprache von Gottes Eigennamen ist verloren gegangen. Jesus selbst hat dies nicht korrigiert.
- Gott will von uns als Vater angesprochen werden. Genau das hat Jesus gelehrt: „unser Vater im Himmel“
- Die Christen sollen Jesus verkünden. Sie sollen laut Apg 1,8 seine Zeugen sein. Zeugen Jesu und nicht Zeugen Jehovas.