Wer ist Edmund Fortman?

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Die Dreieinigkeitsbroschüre der Zeugen Jehovas („Sollte man an die Dreieinigkeit glauben“, 1989) enthält mehrere missbräuchliche Zitate aus dem Buch „The Triune God“ (dt: der dreieinige Gott) von Edmund Fortman.

Die Broschüre stellt uns Fortman als katholischen Theologen und Jesuit vor. Über seine Glaubensauffassungen erfahren wir (abgesehen von den zurechtgeschnittenen Zitaten) nichts. Es entsteht aber der Eindruck, als würde Fortman die Lehre von der Dreieinigkeit in Frage stellen. Dieser Eindruck ist falsch. In der Einführung des Buchs (Seite XV) bezeichnet er sich selbst als

„Catholic and a firm believer in the Triune God“,

also als Katholiken und standfesten Vertreter der Dreieinigkeit.

Da ist es doch merkwürdig, dass die Zeugen Jehovas ausgerechnet diesen Mann als Kronzeugen gegen die Dreieinigkeitslehre auftreten lassen.

Wie funktioniert das ?

Das ist nur möglich, indem sie aus dem Buch „The Triune God“ gegen den Sinn zitieren. Die ersten Kapitel dieses Buchs, also der gesamte Bereich, aus dem diese Zitate herausgebrochen wurden, finden sich auch online zum eigenen Nachlesen.

Was lehrt Edmund Fortman?

Um beurteilen zu können, ob Fortman zu recht zitiert wird, ist es wichtig, die Grundaussage seines Buches zu kennen. Diese führt er im Vorwort aus. Aus Seite XV (deutsche Übersetzung von mir):

Die Lehre vom dreieinigen Gott hat eine erstaunliche Geschichte. Davon überzeugt, dass diese Lehre eine christliche ist und dass sie nur aus göttlicher Offenbarung heraus entstehen ist und entstehen konnte, beginne ich diese Studie mit dem authentischen Bericht der göttlichen Offenbarung, der sich in den heiligen Schriften des Alten und Neuen Testaments findet.

Englisches Original: „The doctrine of the Triune God has had an amazing history. Convinced that this doctrine is a Christian doctrine that did and could originate only from divine revelation, I start the study from the authentic record of divine revelation that is found in the sacred writings of the Old and New Testaments.“

Fortman untersucht zunächst die Ausgangslage im Alten Testament und im Neuen Testament. Danach verfolgt er Schritt für Schritt die geschichtliche Entwicklung der Theologie über die Kirchenväter, das Konzil von Nizäa, das Mittelalter, bis hin zur Neuzeit.

Kurz zusammengefasst vertritt er die Auffassung, dass die Bibel

  • im Alten Testament so gut wie nichts zur Dreieinigkeit zu sagen hat.
  • Im Neuen Testament hingegen findet sich eine Fülle von grundlegenden Aussagen über das Verhältnis von Gott, Jesus und dem Heiligen Geist. Diese machen im Grunde schon die Dreieinigkeitslehre aus, nur dass sie nicht in lehrmäßigen theologischen Aussagen ausformuliert ist. Hierzu führt er eine ganze Fülle von Bibelversen aus dem NT an. (Mehr dazu hier.)
  • Die Ausformulierung dieser Basis zu einer theologischen Dreieinigkeitslehre ist dann in den ersten Jahrhunderten der Kirchengeschichte geschehen.

Mehr zu missbräuchlichen Zitaten der Wachtturmliteratur im Allgemeinen und zu den Zitaten aus Fortman im Besonderen hier.