Weihnachten – eine menschliche Erfindung?

Weihnachten wird oft deshalb kritisiert, weil der biblische Bericht nirgends die Feier dieses Festes befiehlt. So wird z.B. in “Unterredungen anhand der Schriften” auf Seite 153 unter dem Stichwort “Feiertage” gefragt:

Ist Weihnachten eine biblisch begründete Feier?

Ich will an dieser Stelle zurückfragen: Warum ist das wichtig?

In der Bibel gibt mehrere Berichte über Feste, die Gott eingesetzt bzw. angeordnet hat. Da ist an erster Stelle der Sabbat (2. Mose 20:8) zu nennen und an zweiter Stelle das Passahfest ( 4. Mose 9,1-14).

Daraus folgt aber nicht, dass alle Festtage von Gott angeordnet sein müssen. Die Bibel berichtet oft davon, dass gläubige Menschen einen Gedenkstein aufstellen, und es gibt mindestens ein Beispiel für ein religiöses Fest, das gläubige Menschen sich selbst erdacht haben. Die Bibel berichtet, wie Menschen das Eingreifen Gottes in diese Welt erleben und dann beschließen, etwas dagegen zu tun, dass dies in Vergessenheit gerät.

Beispiel 1
Jakob hat in Bethel einen Gedenkstein errichtet. Gott hatte dies nicht befohlen. Es war Jakobs Idee. (1 Mose 28:18+19)

1 Mose 28,18-19
Und Jakob stand am Morgen früh auf und nahm den Stein, den er unter sein Haupt gelegt hatte, und richtete ihn auf zu einer Denksäule und goß Öl oben darauf, und nannte diesen Ort Beth-El; zuvor aber hieß die Stadt Lus.

Beispiel 2
Im Buch Esther wird der Ursprung des Purim-Fests beschrieben. Die Juden sind nur knapp der Vernichtung entronnen:

Esther 9,24-28
Weil Haman, der Sohn Hammedatas, der Agagiter, aller Juden Feind, den Plan gefaßt hatte, alle Juden umzubringen, und weil er das Pur, das ist das Los, hatte werfen lassen, um sie aufzureiben und umzubringen; während [Esther] dadurch, daß [sie] vor den König kam, bewirkte, daß er durch Briefe befahl, Hamans bösen Anschlag, den er wider die Juden erdacht hatte, auf seinen eigenen Kopf zu lenken, so daß man ihn und seine Söhne an den Galgen hängte. Darum werden diese Tage Purim genannt, nach dem Worte Pur. Um deswillen und wegen alles dessen, was in dem Schriftstücke stand, was sie selbst gesehen und erfahren hatten, setzten die Juden solches fest und nahmen es an für sich und ihre Nachkommen und alle, die sich ihnen anschließen würden, daß sie nicht davon abgehen wollten, jährlich diese zwei Tage zu halten, wie sie vorgeschrieben und bestimmt worden waren. Und so sollen diese Tage im Gedächtnis bleiben und gefeiert werden von Geschlecht zu Geschlecht, in allen Provinzen und Städten; so daß diese Purimtage nie verschwinden sollen aus der Mitte der Juden und ihr Gedächtnis bei ihren Nachkommen nicht aufhören soll.

Der Schreiber dieses biblischen Berichts macht den Juden nicht den geringsten Vorwurf, obwohl sie hier sich selbst ein Fest verordnen. Wenn man nur diejenigen Feste feiern dürfte, von denen die Bibel berichtet, dass Gott sie angeordnet hat, dann müsste der Schreiber des Buchs Esther doch die Juden dafür kritisieren, dass sie das Purimfest festgelegt haben. Dem ist aber nicht so. Stattdessen wird dieses Fest seit damals jedes Jahr gefeiert, bis heute.
Was folgt daraus?

Man kann Feste feiern, auch wenn Gott sie nicht ausdrücklich befiehlt. Man muss es nicht, man kann es aber. Es ist daher nicht biblisch, das Weihnachtsfest grundsätzlich abzulehnen, nur weil dieses Fest in der Bibel nicht angeordnet wurde.

Ich erwarte von Zeugen Jehovas nicht, dass sie Weihnachten feiern müssen. Ich erwarte aber von ihnen, dass sie mich und all die anderen Christen, die das wollen, dafür nicht zu Heiden erklären.

Bei religiösen Festen soll es um Gott gehen. Das ist beim Weihnachtsfest in unserem Land sicherlich nicht überall der Fall. Das kann man dann zu recht kritisieren. In unserer Gemeinde und in unserer Familie stand zu Weihnachten aber der Glauben im Mittelpunkt. Wir feiern christliche Weihnachten.